FRANKFURT (dpa-AFX) - Verheerende Entwicklung bei SGL Group <DE0007235301>: Nach einer Gewinnwarnung und dem Rücktritt des Vorstandschefs sind die Papiere des Kohlenfaserspezialisten am Donnerstag um fast ein Drittel eingebrochen auf 3,714 Euro. Damit rutschten die Papiere unter ihr bisheriges Rekordtief aus dem Jahr 2002 und notieren erstmals überhaupt unter 4 Euro. Zuletzt lagen die Papiere 30,54 Prozent im Minus bei 3,758 Euro. Im SDax <DE0009653386> sind sie in diesem Jahr unter den größten Verlierern mit einem Abschlag von fast 40 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Management um Vorstandschef Jürgen Köhler die Ziele für 2019 bestätigt. Anleger wurden daher an diesem Donnerstag von der Gewinnwarnung auf dem falschen Fuß erwischt, reagierten entsprechend entsetzt und sprachen von Vertrauensverlust.

Die Wiesbadener senkten nicht nur die Prognose für das laufende Jahr, sondern kassierten auch gleich den Ausblick für 2020 bis 2022 komplett ein. Die Gewinnwarnung komme überraschend, nachdem das Unternehmen erst Anfang August seinen Jahresausblick bestätigt habe, monierte ein Händler am Morgen.

Auch Analyst Christian Obst von der Baader Bank reagierte, änderte seine Kauf- in eine Verkaufsempfehlung für die SGL-Aktien und drittelte das Kursziel von 9 auf 3 Euro. Die Hiobsbotschaften von SGL könnten bedeuten, dass die komplette Zukunft des Unternehmens - zumindest die derzeitige Struktur - überarbeitet werden wird, schrieb er in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Er schloss auch nicht aus, dass Hauptaktionär Skion SGL von der Börse nehmen könnte, was für die Aktionäre die bessere Option wäre.

Matthias Pfeifenberger, Analyst bei der Deutschen Bank, blieb bei seinem "Hold"-Votum, senkte das Kursziel aber von 7,50 auf 5,30 Euro.

Vor allem im Geschäftsbereich Composites - Fibers & Materials (CFM) läuft es für SGL derzeit schlecht. Das Unternehmen begründete dies mit Planungsfehlern bei einem großen Windenergie-Geschäft. Außerdem würden die erwartete Erholung im Marktsegment Industrielle Anwendungen sowie die geplanten Maßnahmen zu Besserung der Ergebnisse nicht in dem erwarteten Ausmaß das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2019 stützen. SGL-Chef Jürgen Köhler tritt vor diesem Hintergrund mit Wirkung zum 31. August 2019 zurück./ajx/bek/fba