FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein krisenfestes Quartal und die Aussicht auf eine Prognoseerhöhung für das Jahr hat am Donnerstag die Aktien der TAG Immobilien bei 25,20 Euro ein 18-Jahres-Hoch beschert. Ohnehin waren Immobilienwerte am vorletzten Handelstag der Woche als "sichere Häfen" gefragt, weil Anleger nach den warnenden Aussagen der US-Notenbank Fed das Risiko scheuten. So konnten auch die Anteilsscheine etwa von Branchengrößen wie Vonovia im Dax , sowie Aroundtown und Grand City Properties im MDax um teils mehr als ein Prozent zulegen.

Die ebenfalls im MDax gelisteten TAG-Papiere waren am frühen Morgen gleich in der ersten Handelsstunde auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2002 geklettert. Danach kamen sie wieder etwas zurück, so betrug das Kursplus zuletzt noch knapp dreieinhalb Prozent auf 24,62 Euro.

Mit dem 18-Jahres-Hoch ist nun auch der Kurseinbruch im Zuge der Corona-Krise Geschichte. Bis zum großen allgemeinen Crash hatten sich die Anteile der Hamburger Immobiliengesellschaft bis auf 25,18 im Februar vorgeschoben. Dass es inzwischen für die TAG-Papiere wieder so gut aussieht, hängt auch mit dem vergleichsweise stabilen Geschäft der gesamten Immobilienbranche trotz Pandemie zusammen. Auch die Ende Mai abgeblasene Fusion mit dem Immobilienkonzern LEG hatte nicht lange auf den Papieren der Hanseaten gelastet.

Der TAG-Konzern, der sich auf Immobilien in sogenannten B- und C-Standorten und damit in den weiteren Einzugsgebieten der Metropolen und in mittelgroßen Städten konzentriert, hatte im ersten Halbjahr vor allem von steigenden Mieten in den Ballungszentren profitiert. Das operative Ergebnis (FFO1) war im Jahresvergleich um rund acht Prozent auf 86,5 Millionen Euro gestiegen. Bisher bleibt es zwar noch bei der aktuellen Jahresprognose, doch stellte das Management dank des guten Verlaufs eine mögliche Anhebung der Zielvorgaben im weiteren Jahresverlauf in Aussicht.

Zudem kündigte die Firma eine Wandelschuldverschreibung in Höhe von rund 450 Millionen Euro an und bot an, bis zu 131 Millionen Euro einer noch ausstehenden Wandelschuldverschreibung zurückzukaufen. Mit den restlichen Einnahmen will TAG Immobilien unter anderem den Zukauf von mehr als 4200 Wohnungen in Deutschland finanzieren.

Einige Börsianer zeigten sich indes von den Aussagen zu den Zielen wenig überrascht. Ein Branchenkenner erklärte, es sei zu erwarten gewesen, dass die Prognosen zumindest bestätigt würden, da die Branche bisher kaum einem Einfluss durch die Covid-19-Pandemie ausgesetzt gewesen sei.

Ob das Unternehmen die Prognosen im weiteren Jahresverlauf tatsächlich erhöhe, hänge vom Zeitpunkt des Abschlusses früherer Zukäufe ab, merkte Analyst Andreas Remke von der Baader Bank an. Seine Schätzung der Ergebnisgröße Funds from Operations (FFO) liege bereits leicht über der bisherigen Prognosespanne der Immobiliengruppe. Der Mittelzufluss dürfte hoch bleiben und die Expansion des Unternehmens in Polen sei wachstumsträchtig.

Warburg-Experte Simon Stippig betonte in einer ersten Reaktion, dass die Quartalszahlen der Gesellschaft im Rahmen seiner Erwartungen ausgefallen seien. Allerdings habe er mit einem etwas stärkeren Anstieg der Bewertungsgewinne gerechnet. Wie sein Baader-Kollege geht aber auch Stippig in seinen Schätzungen bereits davon aus, dass TAG Immobilien die aktuellen Zielvorgaben im Gesamtjahr toppen wird. Denn rechne man den operative Halbjahresgewinn aufs Jahr hoch, dann läge das Unternehmen bereits über seinem eigenen Zielkorridor./tav/bek