FRANKFURT (dpa-AFX) - Delivery Hero hat die Anleger am Dienstag mit Aussagen zur Profitabilität begeistert und damit der gesamten Branche etwas Rückenwind gegeben. Der Lieferdienst rechnet damit, im laufenden Quartal mit seinem größten Segment rund um die Vermittlung und Auslieferung von Essen die bereinigte operative Gewinnschwelle (Ebitda) zu erreichen. Die Entwicklung kommt angesichts der gedämpften Konsumlaune überraschend.

Die fehlende operative Profitabilität war in den vergangenen Monaten der zentrale Kritikpunkt der Anleger gewesen. Dementsprechend legten die Aktien einen freundlichen Handelsstart hin und bauten ihre Gewinne im Verlauf aus - um die Mittagszeit verteuerten sie sich an der MDax -Spitze um über elf Prozent auf 55,58 Euro. Sie stehen damit nur noch knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt, der charttechnisch orientierten Anlegern Hinweise auf den längerfristigen Trend gibt.

Im Tagesverlauf hatten die Aktien am Dienstag bei 57,16 Euro den höchsten Stand seit ihrem rund 30-prozentigen Kursrutsch am 10. Februar markiert, als Delivery Hero den Markt mit einem schwachen Ausblick geschockt hatte. Dies hatte damals einen der größten prozentualen Tagesverluste einer Aktie in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Dax zur Folge und den späteren Abstieg in den MDax. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein dickes Minus von 43 Prozent zu Buche, womit Delivery Hero zu den schwächsten Werten im Index der mittelgroßen deutschen Börsenunternehmen zählt - dieser hat im selben Zeitraum knapp 20 Prozent eingebüßt.

Auch die Aktien des Kochboxen-Anbieters Hellofresh verbuchten am Dienstag im Kielwasser des starken Branchenkollegen ein Kursplus von drei Prozent, was den Spitzenplatz im Dax bedeutete, nachdem am Vortag bereits die endgültigen Quartalszahlen des Unternehmens auf ein positives Echo gestoßen waren. Außerhalb Deutschlands verteuerten sich die Anteilsscheine der Essenslieferdienste Just Eat Takeaway und Deliveroo um 3,8 und 3,3 Prozent. Die aktuellen Jahresbilanzen dieser Konkurrenten sehen mit Kursverlusten von jeweils mehr als der Hälfte noch schlimmer aus.

Giles Thorne vom Analysehaus Jefferies sieht in den neuesten Nachrichten von Delivery Hero eine Stütze für die weitere Erholung der Aktie, deren Wert sich seit dem Tief im Mai schon mehr als verdoppelt hat. Er lobte einen rekordhohen Deckungsbeitrag im Liefergeschäft und die damit verbundene operative Entwicklung der eigenen Plattformen, inklusive der spanischen Tochter Glovo. Die Anleger machten sich zwar weniger Gedanken über das Wachstum als vor einem Jahr. Es sei aber festzuhalten, dass das aktuelle Geschäftsumfeld nicht im Widerspruch zu den bestätigten Jahresziele stehe.

Für Barclays-Analyst Andrew Ross bleibt Delivery Hero das Unternehmen in der Eurozone, das die besten Chancen hat, sowohl ein deutliches Wachstum zu erzielen als auch das operative Ergebnis mittelfristig zu steigern. RBC-Analystin Sherri Malek hob die Wachstumsziele für den Bruttowarenwert im laufenden Quartal, die ihren Schätzungen entsprechen, positiv hervor. Sie prognostiziert der Aktie angesichts der Profitabilitätsentwicklung des Unternehmens ein deutliches Kurspotenzial - auf Basis der zu erwartenden Barmittelzuflüsse sei die Bewertung attraktiv.

Auch Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan lobte die jüngste Geschäftsentwicklung und den starken Ausblick auf das laufende Quartal. Er geht davon aus, dass die Konsensschätzungen für den Bruttowarenwert im laufenden und kommenden Jahr um rund fünf beziehungsweise zehn Prozent steigen werden.

Delivery Hero legte zudem endgültige Quartalszahlen vor, die den Eckdaten entsprachen, und bestätigte die ebenfalls im Juni gesenkten Jahresziele./gl/tih/jha/