FRANKFURT (dpa-AFX) - An ihrem ersten Tag im Dax haben die Aktien von Deutsche Wohnen dort zu den Favoriten gezählt. Die Papiere der nach Vonovia nunmehr zweiten Immobiliengesellschaft im deutschen Leitindex legten um 1,2 Prozent auf 40,10 Euro zu und erholten sich damit von ihrem Freitagsverlust. Zum Zwischenhoch bei 43,88 Euro, das die Papiere am Tag nach der Bekanntgabe der Dax-Aufnahme Anfang Juni erreicht hatten, fehlt aber noch ein gutes Stück.

Der auf die Hauptstadt Berlin ausgerichtete Immobilienkonzern hatte seit ein paar Jahren schon auf einen Platz im Leitindex gewartet. Der auf den Anteil frei handelbarer Aktien bezogene Börsenwert, der aktuell bei rund 14 Milliarden Euro liegt, reichte allemal. Gescheitert war das Unternehmen jedoch immer wieder am nötigen Börsenumsatz und auch daran, dass es keinen Absteiger aus dem Dax gab. Auf seinem Weg in die erste Börsenliga wurde es nicht zuletzt auch von dem in einen Bilanzskandal verwickelten Bezahldienst Wirecard ausgebremst als auch vom Triebwerksbauer MTU .

Mit der Corona-Krise änderte sich dies jedoch schlagartig, denn die Pandemie brachte die Geschäfte der Fluggesellschaft Lufthansa mit Ausnahme der Fracht fast zum Erliegen. Angesichts des weggebrochenen Passagiergeschäfts geriet die Airline derart unter Druck, dass letztlich mit dem Staat Hilfen zur Rettung ausgehandelt wurden. Entsprechend war auch der Aktienkurs auf Talfahrt gegangen, so dass der Börsenwert auf 4,6 Milliarden Euro geschrumpft ist.

Der Aufstieg in den Dax sorgt nun in der Deutsche-Wohnen-Aktie für weiteres Investoren-Interesse und damit weitere Käufe. Seit Bekanntwerden Anfang Juni hatten auch Indizes exakt nachbildende Fonds die Aktie gekauft.

Laut Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank oder auch Analyst Georg Kanders vom Bankhaus Lampe ist die Luft nach oben nun aber begrenzt. "Das Thema Mietpreisbremse in Berlin und die damit verbundenen Regulierungsrisiken stellen derzeit das wesentliche Thema für die Aktie dar", schrieb etwa Schnitzer und bekräftige sein Urteil "Halten". Zugleich sei aktuell schwer abschätzbar, wie sich die Regulierungsmaßnahmen mittelfristig auf die Immobilienbewertung auswirken werden.

Kanders hat die Aktie erst am Freitag von "Kaufen" auf "Halten" abgestuft und dabei auf die zuletzt starke Kursentwicklung und die inzwischen ausgeschüttete Dividende in Höhe von 90 Euro für 2019 verwiesen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um rund 10 Prozent zugelegt und sich damit auch von den Verlusten im Corona-Börsencrash wieder vollständig erholt./ck/ag/zb