FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein erneut angehobener Jahresausblick hat die Akionäre von Siemens am Freitag überzeugt: die Aktien stiegen in Richtung ihres Rekordhochs. Am Vormittag legten sie um 2,9 Prozent auf 144,20 Euro zu, womit sie sich nach einigen Tagen Rallypause der im April erreichten Bestmarke von 145,96 Euro näherten. Im festen Dax wurden sie am Freitag zum zweitbesten Indexwert hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter Adidas .

Die deutsche Industrie-Ikone berichtete von einem überraschend starken zweiten Geschäftsquartal (per Ende März) und geht nun davon aus, dass der Umsatz in diesem Geschäftsjahr auf vergleichbarer Basis um 9 bis 11 Prozent steigen wird. Bislang hatte Siemens ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Auch das Ergebnis nach Steuern soll nun mit 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro höher ausfallen als zuvor angedacht.

Analysten lobten ein starkes Quartalsergebnis und den Ausblick, der schon nach dem sehr erfreulichen Bericht zum ersten Quartal angehoben wurde. Für Philip Buller von der Berenberg Bank waren die Zahlen von hoher Qualität. Er lobte die anspruchsvoller gewordenen Ziele in den wichtigen Sparten Digital Industries (DI) and Smart Infrastructure (SI) und eine höhere operative Marge.

Laut JPMorgan-Analyst Andreas Willi waren die Erwartungen nach starken Zwischenberichten anderer Branchenunternehmen bereits hoch, insofern sei die erhöhte Umsatzzielspanne nicht ganz überraschend. Die Auftragsdynamik bleibe aber stark und das Wachstum im Branchenvergleich überlegen. Hinzu komme der hohe Barmittelfluss als positiver Aspekt. Der Berenberg-Experte Buller bezeichnete diesen sogar als "außerordentlich stark".

Für Simon Toennessen von Jefferies Research hat die Digitalsparte im vergangenen Quartal mit ihrem Geschäft in den USA herausgeragt. Die schon gestiegenen Erwartungen an die Auftragsentwicklung und den Umsatz seien im Bereich Digital Industries mit Anstiegen um 34 beziehungsweise 38 Prozent noch übertroffen worden. Dies sei ein starkes Indiz für deutliche Marktanteilsgewinne, da Konkurrenten wie Rockwell oder Schneider dort nur wenig gewachsen seien. ABB sei dort sogar etwas geschrumpft.

Das Geschäft mit der Digitalisierung durch Software, Automation und künstliche Intelligenz gilt bei Siemens schon länger als ein wichtiger Treiber des Wachstums. Anfang Februar hatte Siemens daher bereits seine Jahresprognosen angehoben. Dies hatte die Aktien auf ihrer positiven Marschroute gehalten - mit zuletzt immer höheren Rekorden. Seit dem Corona-Tief im März 2020 beträgt der Kursgewinn der Aktie aktuell mehr als 170 Prozent./tih/nas/mis