Der Fernwartungsspezialist aus Göppingen war einer der Gewinner der Corona- und Homeoffice-Zeit. Doch an das Wachstum von 2020 kann Teamviewer derzeit nicht anknüpfen. Ist der Boden für die Aktie schon erreicht?

Zuletzt enttäuschte Teamviewer mit seinen Zahlen für das dritte Quartal. Sowohl die Ziele für dieses Jahr als auch die mittelfristige Prognose mussten nach unten korrigiert werden. Das Unternehmen zog anschließend auch personelle Konsequenzen. Finanzvorstand Stefan Gaiser wird das Unternehmen im kommenden Jahr verlassen. „Die jüngsten Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass das Management den Ausblick anpassen musste, sind ohne Frage sehr enttäuschend“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende von Teamviewer, Abraham Peled, in einer Pressemitteilung.

Auch an der Börse hat der Pandemie-Profiteur Federn gelassen. Ihren vorläufigen Höhepunkt markierte die Aktie im Februar, mit einem Allzeithoch von bis zu 55 Euro. Seither ging es stetig bergab. Allein im Oktober hat die Teamviewer-Aktie 45 Prozent verloren, seit Jahresanfang steht ein Minus von 70 Prozent zu Buche. Aktuell steht der Kurs bei knapp 13 Euro.

Die Experten der UBS schreiben in ihrer Teamviewer-Analyse, auch die neuen Ziele seien mit Vorsicht zu genießen, es gäbe derzeit keine Anzeichen, dass das Geschäft wieder an Fahrt aufnimmt. Die Schweizer Bank strich das Kursziel zusammen, von 44 Euro auf 14,50 Euro. Als Gründe nennen die Experten unter anderem die durch die hohen Ambitionen stark angestiegenen Personalkosten und die zunehmende Konkurrenz.

Klaus Brune, Leiter des Börsenressorts beim Platow Verlag, beobachtet die Aktie schon lange. Im Gespräch mit wallstreet:online zeigt er sich enttäuscht über die Entwicklung des einstigen Corona-Gewinners. „Teamviewer hat seit Februar eine Menge an Vertrauen an den Kapitalmärkten verspielt. So wurde mittlerweile die Prognose zunächst ans untere Ende der vorgegebenen Spannen eingeschränkt und dann deutlich gesenkt. Teure Sponsoring-Verträge – unter anderem mit Manchester United – trübten die Profitabilität ein, zudem konnten die hohen Zuwachsraten der Coronazeit in den Zeiten nach den ersten Impfwellen nicht gehalten werden“, so Brune. Auch Großaktionär Permira habe sich während des Kursbooms Stück für Stück von Anteilen getrennt. „Mittlerweile besitzt Permira nur noch etwa 20 Prozent, dürfte bei Kursen unter 14,00 Euro aber kein Verlangen verspüren, weitere Anteile abzugeben.“

Ob es nach der langen Talfahrt bald wieder aufwärts geht? Klaus Brune ist noch zurückhaltend. Er sieht bei Teamviewer „Licht und Schatten“. Die Göppinger müssten nun „Vertrauen zurückgewinnen“, sagt er. „Für die Börse ist es eben wichtig, dass Unternehmen immer nur so viel versprechen, wie sie auch wirklich halten können.“ Zwar erwarte er auch weiter ein jährliches Umsatzwachstum von 13 Prozent. Doch die dünnere Marge trübt das Bild. „Die PS kommen derzeit nicht voll auf die Straße.“

Das zeigt auch ein Blick in den Geschäftsbericht. 2,5 Milliarden Mal wurde das Programm heruntergeladen, aktiv zahlende Nutzer gab es im Jahr 2020 jedoch nur 600.000. Die Experten der Berenberg Bank glauben, dass die starke Konkurrenz durch Schwergewichte wie Google und Microsoft noch zunehmen wird und Teamviewers Wachstum bei den Kundenzahlen einschränken könnte.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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