Bijou Brigitte hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr aktualisiert. Der Modeschmuck-Händler hält einen Gewinn vor Steuern von bis zu 35 Millionen Euro für realistisch. Die Aktie gibt Gas. w:o-Börsengeflüster!

Bijou Brigitte machte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2022 einen Umsatz von 131,3 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch bedingt durch schwerwiegende Corona-Auflagen 63,4 Millionen Euro gewesen.

Das Konzernergebnis vor Ertragsteuern könnte zwischen 20 und 35 Millionen Euro am Ende des Jahres liegen, sofern sich die Inflations- nicht negativ auf die Kaufkraftentwicklung auswirke – so geht es aus der Unternehmensmitteilung hervor. Weitere Einflüsse, die das angepeilte Ergebnis vereiteln könnten, wären "neue Corona-Infektionswellen und damit verbundene erneute Einschränkungen im stationären Einzelhandel, Liefer- und Personalengpässe sowie der weitere Verlauf des Krieges in der Ukraine und Auswirkungen auf die Gasversorgung".

Bisher performten die Papiere des Hamburger Konzerns trotz der aggressiven Zinspolitik der Notenbanken mehr als ordentlich: In den vergangenen vier Wochen stieg der Kurs um circa 30 Prozent. Es ist es nun zu spät, auf die Aktie zu setzen? Das meinen unsere w:o-User:

Kampfkater69: Die Aktie bietet für mittel- und langfristig orientierte Anleger weiter sehr gute Perspektiven – mit Blick auf den Kurs und die Dividende. Wer noch nicht drin ist, sollte es über mehrere Staffelkäufen machen. Möglich, dass die kommende Prognoseanhebung die Zocker hier zu Gewinnmitnahmen treibt. Denn jeder kluge Manager stapelt eher tief als hoch bei Prognosen. Die Börse liebt erfüllte Prognosen. Ich könnte jetzt teilweise satte Gewinn realisieren, mache ich aber nicht. Denn der faire Kurs liegt weit höher. Gegen fette Dividenden in diesen zinslosen Zeiten hat ein Anleger nichts einzuwenden. Auf 21-Monate-Sicht könnten hier bis zu sieben Euro Dividende kommen.

Amplitude: Ein Selbstläufer wird Bijou Brigitte nicht werden. Da gibt es zu viele Unwägbarkeiten. Das erste Halbjahr war überraschend gut. Aber im Zweiten kommt die Inflation mit Wucht beim Verbraucher an. Viele Haushalte werden kaum mehr konsumieren können. Auch auf die Unternehmen kommen höhere Energiekosten und Personalkosten zu.

SchubiOL: Das sehe ich ganz anders: Frauen und Männer wollen sich auch in schwierigen Zeiten eine kleine Freude machen. Das neue E-Auto wird abgeblasen und den Schmuck von Christ und Juwelier Kraemer kann sich der Mittelstand bald nicht mehr leisten. Somit bleibt nur die Flucht in einen der Shops von Bijou, in denen durch eine jahrelange ‚Gesundschrumpfung‘, optimierte Kostenstruktur sowie eine steigende Nachfrage zu rasant steigenden Gewinnen führt. Bijou sehe ich hier antizyklisch zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage: Je schwerer die Krise, desto steiler der Gewinnanstieg einer Bijou Brigitte. Ich schließe hier nicht mal aus, dass sich in den nächsten Jahren sogar die Kursexzesse der Jahre 2002 bis 2005 wiederholen. Zur Erinnerung: ein EPS von über zehn Euro je Aktie und eine Dividende von 6,50 Euro! Dieses Ergebnis sollte spätestens im Geschäftsjahr 2024 wieder erreicht werden.

GAP-Minder: Es ist schon richtig, dass man sich über steigende Lebensmittelpreise mehr aufregt als das beim Modeschmuck der Fall wäre. Allerdings liegt es an dem Grad der Verzichtbarkeit solcher Güter. Während Energie und Lebensmittel eine sehr geringe Preiselastizität aufweisen und daher bei steigenden Preisen nahezu unverändert gekauft werden, weist Modeschmuck eine hohe Preiselastizität auf und wird bei steigenden Preisen einfach nicht mehr gekauft, da dieses Gut nicht lebensnotwendig ist. Eine Inflationsgefahr ist also nicht von der Hand zu weisen. Nach zwei schwierigen Jahren ist vieles sicher auf mehr Effizienz eingestellt worden, sodass gute Gewinne auch bei stagnierendem Umsatz (im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten) möglich sein sollten und in eine erfreuliche Dividendenzahlung münden werden. Daher bleibe ich gerne investiert, mit leicht geglätteten Sorgenfalten.

Toscanoptic: Ich agiere inzwischen schon 35 Jahre an der Börse und kenne die Aktie seit meinen ersten Tagen. Aktuell kann ich sagen, dass das Smartmoney sich seit über einem Jahr eindeckt und immer noch kauft. Fonds mögen abbauen – das ist ihrer Anlagepolitik geschuldet. Keiner von denen will Aktien im Portfolio haben, die als Loser gelten. Außerdem hat ein Fondsmanager nicht die Zeit, eine Aktie und Unternehmen so intensiv zu beobachten wie ein Privatmensch, der vielleicht fünf oder sechs weitere Aktien als Steckenpferd hat und sein Geld zwischen diesen Unternehmen hin- und herschiebt. Derzeit überwiegen die Chancen bei Bijou Brigitte, trotz Inflation, Lieferkettenproblemen, Energie- und Rohstoffmangel. Das sind aber Probleme, die mittelfristig nicht mehr verschwinden, sondern Teil unseres Wirtschaftslebens werden und als Baisse-Faktor damit nicht mehr wirken. Da das Unternehmen mit ihrem Warenangebot eher in der preislich unteren Kategorie spielt, dürfte diese Entwicklung dem Geschäftsmodell entgegenkommen – daher der steigende Kurs und die relative Stärke zum Gesamtmarkt. Das dürfte in den kommenden Jahren so bleiben.

Bis zum nächsten Börsengeflüster!

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion

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