PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Angst vor einer neuen Corona-Welle hat Europas Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der EuroStoxx 50 weitete nach einem schwachen Start seine Verluste deutlich aus. Gegen Mittag notierte der Leitindex der Eurozone 2,79 Prozent im Minus bei 3191 Punkten, was den niedrigsten Stand seit Anfang August bedeutete. Für den französischen Cac 40 ging es zuletzt um 2,92 Prozent auf 4832,66 Punkte bergab und der britische FTSE 100 büßte 3,25 Prozent auf 5812,01 Zähler ein.

Im Branchenvergleich gab es zu Wochenbeginn nur Verlierer. Am heftigsten unter die Räder gerieten die Aktien der Reise- und Freizeitindustrie, die besonders stark von wieder verschärften Corona-Bestimmungen betroffen wäre: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe sackte um knapp sechs Prozent ab.

Gleich dahinter büßte der Bankenindex ähnlich viel an Wert ein. Ihn belastete vor allem die Recherchen-Ergebnisse eines internationalen Journalisten-Netzwerks. Demnach offenbaren Informationen aus einem Datenleck des US-Finanzministeriums, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt und trotz strenger Regularien mutmaßliche Kriminelle als Kunden akzeptiert und für diese Überweisungen in Milliardenhöhe ausgeführt hätten. Gemeldet haben sie diese Vorgänge den Angaben zufolge mitunter nur sehr zögerlich und zum Teil mit jahrelanger Verspätung. Nun werden aus der Politik Forderungen nach mehr Befugnissen für Aufsichtsbehörden sowie schärferen Strafen laut.

Bei der HSBC belastete zusätzlich ein Bericht der Zeitung "Global Times" der Kommunistischen Partei Chinas mit einem Minus von rund sechs Prozent. Diesem zufolge steht das Institut auf einer Liste Chinas mit "unzuverlässigen Unternehmen", welche die nationale Sicherheit des Landes gefährdeten. Dies könnte die geschäftliche Expansion der stark in Hongkong engagierten HSBC auf dem chinesischen Festland in Gefahr bringen, nachdem man dort über Jahre viel investiert habe, schrieb ein Analyst.

Die Aktien der Schweizer Konkurrentin UBS verbilligten sich um über fünf Prozent. Verschiedenen Medienberichten zufolge plant deren Verwaltungsratspräsident Axel Weber die Übernahme einer großen europäischen Bank. Gemäß Recherchen der Schweizer "Sonntagszeitung" gehören zu Webers potenziellen Zielen die Deutsche Bank sowie die britische Barclays . Laut Nachrichtenagentur Bloomberg steht die französische BNP Paribas ebenfalls auf der "Wunschliste". Deren Kursen half der Bericht im derzeitigen Umfeld aber wenig.

Deutlich besser hielten sich Aktien der Gesundheits- und Lebensmittelbranche sowie der Versorger, die als defensiv gelten und ihre relative Stärke in einem negativen Marktumfeld ausspielen: Deren Branchenindizes verloren zwischen 1,3 und 1,8 Prozent./gl/jha/