PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Zur Wochenmitte hat sich an Europas Aktienmärkten wieder Ermüdung breit gemacht. Auch solide Konjunkturdaten aus Deutschland und Frankreich konnten die Anleger nicht zu weiteren Käufen bewegen. Stattdessen sorgten sich diese um ein Wiederaufflammen der Pandemie des Coronavirus. Der EuroStoxx 50 gab die Gewinne vom Vortag komplett wieder ab, zuletzt verlor der Leitindex für die Eurozone zwei Prozent auf 3233 Punkte.

Gesundheitsexperten warnen eindringlich vor einer zweiten Corona-Infektionswelle in Großbritannien. Es bestehe ein "echtes Risiko", schrieben sie in einem Brief, nachdem Premier Boris Johnson am Vortag umfangreiche Lockerungen angekündigt hatte. Der Londoner FTSE 100 Index fiel um 2,5 Prozent auf 6162 Punkte. Zudem sprach Österreich nach dem Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh eine Reisewarnung für Nordrhein-Westfalen aus.

Diese Nachrichten überschatteten am Mittwoch gute Konjunkturdaten. So hat sich Umfragen zufolge in Frankreich und Deutschland das Geschäftsklima zuletzt merklich aufgehellt. Das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im Juni nicht nur stärker als von Analysten erwartet, es war zugleich der stärkste jemals gemessene Anstieg.

Diese jüngste Aufhellung der Stimmung solle man aber nicht überschätzen, riet Volkswirt Stefan Kipar von der Landesbank BayernLB. Denn der am Vortag veröffentlichte deutsche Einkaufsmanagerindex signalisiere noch immer kein Wachstum. "Ein starkes Wachstum wäre aber nötig, damit der tiefe

Fall der letzten Monate schnell wieder ausgeglichen werden kann".

In Paris gab der Cac 40 um zwei Prozent auf 4919 Zähler nach. Dort zählten mit Airbus und Safran zwei Aktien zu den größten Verlierern, die als besonders anfällig für Nachrichten zur Corona-Pandemie gelten.

Angeführt wurden die Abwärtsbewegung vom Reise- und Freizeitsektor, der 2,8 Prozent einbüßte. Air France-KLM verloren 4 Prozent und die Papiere der britisch-spanischen Airline-Holding IAG 4,7 Prozent. Easyjet verbilligten sich um 3,3 Prozent. Am geringsten fielen die Verluste im Sektor der Versorger aus mit minus ein Prozent. Sie gelten dank auch in Krisenzeiten stabiler Erträge als Alternative zu risikoreicheren Sektoren./bek/fba