PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Anleger an Europas Börsen haben am Dienstag Vorsicht walten lassen. Überraschend besser als erwartet ausgefallene Stimmungsdaten aus der chinesischen Industrie konnten nicht lange stützen. Daten zu den Verbraucherpreisen in der Eurozone für den Monat Juni lieferten zudem kaum Impulse, da sie den Erwartungen weitgehend entsprachen.

Die Stimmung der Anleger bleibe ambivalent, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Die einen sähen eher düstere Zeiten auf die Börsen zukommen und verwiesen dafür auf die wieder rasch steigenden Corona-Neuinfektionen, die neue Lockdown-Maßnahmen nach sich ziehen könnten. Die anderen glaubten, dass die Stimuli der Notenbanken und Regierungen für die Wirtschaft einen kraftvollen Konjunkturaufschwung nach sie ziehen werden.

Am späten Vormittag gab der EuroStoxx 50 um 0,19 Prozent auf 3225,80 Punkte nach. In Paris hielt sich der französische Leitindex Cac 40 zuletzt mit minus 0,07 Prozent auf 4941,82 Punkte stabil. Der britische FTSE 100 indes sank um 0,91 Prozent auf 6169,20 Zähler.

Mit erhöhtem Interesse wird Marktbeobachtern zufolge nun auf die Äußerungen des US-Notenbankchefs Jerome Powell gewartet. Powell wird allerdings erst nach europäischen Börsenschluss vor einem Kongressausschuss sprechen. In seinem vorab bereits veröffentlichten Redetext warnte er vor hohen Unsicherheiten für die USA, der weltgrößten Volkswirtschaft.

Branchenweit gab es in Europa fast nur Verlierer, wobei der Bankensektor die größten Verluste verbuchte mit minus 1,6 Prozent. Am deutlichsten legte indes der Immobiliensektor zu mit plus 1,2 Prozent.

Relx litten unter einer Abstufung um gleich zwei Stufen durch das französische Analysehaus Exane BNP Paribas und gaben als schwächster Stoxx-50-Wert um 2,7 Prozent nach. Analyst Sami Kassab senkte sein Urteil für die Aktie des Medienkonzerns von "Outperform" auf "Underperform".

Knapp dahinter folgten die A-Aktien von Royal Dutch Shell mit minus 2,5 Prozent. Der britisch-niederländische Ölkonzern muss angesichts des Einbruchs der Öl- und Gaspreise im zweiten Quartal Milliarden abschreiben.

Ein angekündigte milliardenschwere Kapitalerhöhung der skandinavischen Fluggesellschaft SAS brachten deren Aktien unter Druck. Zuletzt sackten sie um rund 10 Prozent ab. Im Zuge der Kapitalerhöhung für die Rettung der Airline dürften die Anteile von Schweden und Dänemark an ihr von bisher jeweils rund 15 Prozent auf je 20,05 Prozent steigen.

Die Anteilsscheine der britischen Hausbaugesellschaft Redrow büßten nach einer Umsatzwarnung in London 4,3 Prozent ein. Der unter anderem auch auf die Petrochemie ausgerichtete Spezialist im Bereich Industriemaschinen Rotork legte Analysten zufolge indes einen angesichts der Corona-Krise robusten Zwischenbericht vor. Die US-Bank Morgan Stanley merkte dazu jedoch kritisch an, dass die auf den Bereich Rohöl ausgerichteten Endmärkte von Rotork weiter unter Druck bleiben dürften. Die Aktie gab zuletzt um 2,6 Prozent nach und verringerte damit ihre frühen Verluste spürbar./ck/mis