PARIS/LONDON (dpa-AFX) - An den europäischen Börsen warten die Anleger nach dem jüngsten Wechselbad der Gefühle erst einmal ab. Auf einen starken Wochenauftakt und Gewinnmitnahmen am Vortag folgten am Mittwoch weitere Schwankungen mit zuletzt relativ neutralem Ergebnis. Vor dem Hintergrund der Nervosität, die den Markt schon lange prägt wegen der hohen Inflation, steigenden Zinsen und Konjunktursorgen, warten Anleger ab vor dem am Abend anstehenden Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed.

Der EuroStoxx 50 behielt nach klar positivem Start gegen Mittag nur noch ein knappes Plus von 0,04 Prozent auf 3649,15 Punkte, nachdem er tags zuvor um 1,6 Prozent gefallen war. Der Cac 40 in Paris lag mit 6250,31 Punkten ganz knapp im Minus. Der Londoner FTSE 100 legte dagegen 0,37 Prozent auf 7512,22 Punkte zu. An den tonangebenden US-Börsen deuten die Futures zeitgleich auf nochmals leichte Verluste hin.

"Unser zentrales Szenario bleibt, dass eine Rezession vermieden werden kann und dass sich die geopolitischen Risiken im Laufe des Jahres abschwächen werden, was Aktien eine Aufwärtsbewegung ermöglichen wird", zeigte sich der Investmentexperte Mark Haefele von der UBS am Mittwoch weiter hoffnungsvoll. "Aber die jüngsten Marktrückgänge haben es deutlich gemacht, wie wichtig es ist, selektiv vorzugehen und Strategien in Betracht zu ziehen, die die Volatilität mindern", fügte er hinzu.

Selektiv griffen die Anleger nun zu vor allem bei Rohstoffwerten, wie Kursgewinne von 1,7 Prozent für den Teilindex des Minensektors und 1,2 Prozent bei jenem der Öl- und Gasbranche zeigte. Unter die großen Branchen-Gewinner mischte sich aber auch der Versorgersektor, der sich um 1,4 Prozent von seinem deftigen Kursrutsch am Vortag erholte. Am Mittwoch sehen Anleger die womöglich drohende britischen Sondersteuer auf die Gewinne der Stromerzeuger wieder gelassener.

Der Kurs des britischen Energiekonzern SSE erholten sich nach den nun vorgestellten Jahreszahlen um 5,2 Prozent. Experten der Analysehäuser RBC und Jefferies sprachen von starken Resultaten. Was die Steuerfrage betrifft, gibt es Stimmen, die eine solche Abgabe in Frage stellen: James Brand von Deutsche Bank Research glaubt nicht, dass sie kommen wird, denn eigentlich wolle Großbritannien ja Investitionen in die Energiesicherheit fördern.

Ansonsten waren die Blicke auf den britischen Supermarktsektor gerichtet, mit Aussagen zum Ausblick von Marks & Spencer . Die Papiere schafften es nach sehr schwachem Start zuletzt mit 0,8 Prozent ins Plus. Obwohl der Ausblick unter den Erwartungen liege, betonte der Barclays-Experte James Anstead, dass er vielleicht nicht so düster sei wie von einigen am Markt befürchtet. Die Titel des Konkurrenten Tesco erreichten immerhin die Gewinnschwelle, für Sainsbury dagegen ging es belastet von einer Abstufung durch die Credit Suisse noch um ein Prozent bergab.

Besser erging es den Anlegern von Imperial Brands , die nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs einen Anstieg um 3,5 Prozent verbuchten. Analyst Richard Felton nannte es vielversprechend, wenn Anleger in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld auf Tabak-Aktien setzen. Hohe und stabile Margen, eine starke Preismacht, hohe Cashflows und die Dividendenrenditen untermauerten die Attraktivität des Sektors.

Im französischen Handel fielen die Papiere von Sodexo negativ auf: Der Caterer teilte mit, für seine Sparte Benefits & Rewards Services (BRS) keinen strategischen Partner mehr zu suchen. Börsianer reagierten enttäuscht auf diese Meldung, wie ein Minus von 4,4 Prozent zeigt. Analystin Estelle Weingrod von JPMorgan vermutet, dass niemand gefunden wurde, der dazu bereit war, für eine Minderheit an der Sparte den erhofften Preis zu zahlen.

Die Aktien der Air France-KLM werden nach der tags zuvor beschlossenen Kapitalerhöhung ab sofort ex Bezugsrecht gehandelt. Diese kosteten an der Euronext -Börse zuletzt 1,84 Euro und die Aktien der Fluggesellschaft 1,93 Euro. In der Summe ergibt dies 3,77 Euro und damit einen Wert über dem Air-France-KLM-Schlusskurs, der am Vortag bei 3,45 Euro gelegen hatte./tih/mis