PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Donnerstag stark nachgegeben und damit ihre Erholungsversuche der Vortage erst einmal eingestellt. Der EuroStoxx 50 sank am späten Vormittag um 2,6 Prozent auf 3554,15 Zähler, der Pariser Leitindex Cac 40 büßte 2,4 Prozent auf 6119,93 Punkte ein. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 2,3 Prozent auf 7175,83 Punkte nach unten.

Mit den Verlusten verarbeiteten die europäischen Börsen die schwachen Vorgaben der US-Märkte und die anhaltenden Zinssorgen. Die US-Verbraucherpreise für April am Vortag waren nicht in der Lage zu beruhigen. Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect sprach von einer schwierigen Einschätzbarkeit der weiteren Inflationsentwicklung. "Die US-Preisdaten kamen höher rein als zuvor erwartet wurde, hatten jedoch nicht mehr die starke Dynamik der letzten Monate."

Das war nicht genug, die Zinssorgen zu dämpfen, zumal auch andere Krisenherde die Inflation oben halten. "Aufgrund der gestörten Produktionstätigkeit in China, der Lieferkettenproblematik und des Ukraine-Krieges dürfte es nicht so schnell zu deutlichen Rückgängen kommen", prognostizieren die Volkswirte der Helaba. "Insofern bleibt auch die US-Notenbank unter Druck, den geldpolitischen Expansionsgrad zurückzufahren"

Der Technologiesektor litt zwar unter den schwachen US-Vorgaben, an der Spitze der Verlierer standen jedoch die Rohstoffwerte. "Die gestrige Erholung der Industriemetallpreise ist heute schon wieder Makulatur. Mit den Preisen geht es recht deutlich bergab", merkte Analyst Daniel Briesemann von der Commerzbank an. Unter den Marktteilnehmern herrschten Nachfragesorgen, die sich in erster Linie auf China richteten, wo die Lockdown-Maßnahmen belasteten. So fielen ArcelorMittal um über vier Prozent, während Rio Tinto um 4,5 Prozent abtauchten.

Unter den Technologiewerten ragten unterdessen STMicroelectronics mit 3,2 Prozent Aufschlag positiv hervor. Das Halbleiternehmen rechnet in den kommenden Jahren dank der anhaltend hohen Chipnachfrage mit einem starken Wachstum. Zudem will der Konzern profitabler werden.

Vergleichsweise moderate Verluste verzeichneten die Versicherungsaktien. Der Schweizer Versicherer Zurich hatte sein Geschäft im ersten Quartal 2022 weiter ausgebaut. Vor allem in der Schaden- und Unfallsparte legten die Prämieneinnahmen überraschend stark zu. Das Geschäft mit Firmenkunden und gestiegene Preise hätten das Wachstum angetrieben, teilte der Konzern mit. Mit 1,1 Prozent Abschlag hielt sich die Aktie in dem schwachen Gesamtmarkt recht gut.

Noch besser sah es bei den defensiven Telekommunikationswerten aus. Deutlichen Gewinne der Aktie von Telefonica stützten hier. Der spanische Telekommunikations-Konzern hatte zum Jahresauftakt von günstigeren Wechselkursen in Lateinamerika profitiert. Der Wert kletterte um 3,7 Prozent.

Unter den kleineren Werten fielen Zur Rose mit über fünf Prozent Zuwachs auf. Ein Pressebericht, wonach das elektronische Rezept wohl ab dem 1. September in regionalen Stufen in Deutschland verpflichtend eingeführt werden soll, verhalf der Aktie der Online-Apotheke zu Auftrieb. Die Baader Bank gab zudem eine Kaufempfehlung ab./mf/mis