PARIS/LONDON (dpa-AFX) - An Europas Börsen gewinnt zunehmend Vorsicht die Oberhand. Die Anleger hielten sich auch am Dienstag mit Käufen zurück und sorgten nach dem bereits schwachen Wochenauftakt für weitere Kursabschläge. Vor allem die Gewinnwarnung von BASF <DE000BASF111> nagte dabei am ohnehin bröckelnden Anlegervertrauen. Der Fokus am Markt bleibt unterdessen auf einer Rede von Fed-Chef Jerome Powell zur Wochenmitte - hier werden kursbewegende Signale zur Geldpolitik der US-Notenbank nicht gänzlich ausgeschlossen.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> verbuchte zur Mittagszeit ein Minus von 0,82 Prozent auf 3494,87 Punkte. In Paris verlor der französische Cac 40 <FR0003500008> 0,74 Prozent auf 5548,04 Zähler, während es für den britischen Leitindex FTSE 100 <GB0001383545> um 0,34 Prozent auf 7523,93 Punkte nach unten ging.

"Die Risikoaversion nimmt seit Tagen zu und dadurch sollte sich auch in den kommenden Handelstagen das Volumen weiter ausdünnen", sagte Experte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Es fehlten weiterhin Kaufimpulse in Form von positiven Nachrichten. "Die heute beginnende US-Berichtssaison dürfte vorerst keine Besserung bringen", glaubt der Börsenexperte.

Die kassierten Ziele des Chemieriesen BASF setzten nicht nur den gesamten Sektor unter Druck , sondern beförderten auch die Konjunktursorgen der Anleger wieder zurück ans Tageslicht. Der Konzern hatte seine Ziele wegen der trüberen Weltwirtschaft und der anhaltenden Handelsstreitigkeiten kräftig eingedampft. Die Chemiebranche gilt als wichtiger Konjunkturindikator, weshalb Befürchtungen aufkommen, dass andere Branchen nachziehen könnten.

Zuletzt hatte die Annäherung im US-chinesischen Handelsstreit sowie die Aussicht auf eine baldige Leitzinssenkung in den USA den Anlegern zwar wieder etwas Hoffnung gemacht, dass die Weltwirtschaft mehr Fahrt aufnehmen könnte. Doch der robust ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hatte erste Zweifel daran aufkommen lassen, dass eine Zinssenkung der US-Notenbank tatsächlich schon vor der Tür steht. Umso genauer dürften die Anleger die Rede des Fed-Chefs vor dem US-Parlament an diesem Mittwoch auf mögliche Hinweise untersuchen.

Auf Unternehmensseite standen am Mittag in Europa Autowerte - die ebenfalls unter dem Handelskonflikt leiden - mit einem Abschlag von zweieinhalb Prozent am stärksten unter Druck, Es folgte der Chemiesektor, der 2,25 Prozent verlor. Zu den größten Gewinnern gehörten dagegen die als defensiv geltenden Sektoren Immobilien, Versorger und Pharma.

Für Daimler <DE0007100000>, BMW <DE0005190003> und Volkswagen <DE0007664039> ging es im EuroStoxx 50 um bis zu drei Prozent abwärts. Die stärksten Verluste im europäischen Leitindex verbuchten BASF mit zuletzt minus sechs Prozent. Papiere des niederländischen Konkurrenten Akzo Nobel <NL0000009132> verloren rund eineinhalb Prozent.

Auch in der Schweiz fielen vor allem konjunkturabhängige Werte zurück: Aktien der beiden Chemiekonzerne Clariant <CH0012142631> und Sika verloren fast vier beziehungsweise zweieinhalb Prozent. Papiere des Siemens <DE0007236101>-Konkurrenten ABB <CH0012221716> gaben mehr als zwei Prozent nach.

An das Ende des Schweizer Leitindex SMI <CH0009980894> rutschten die Papiere des Personaldienstleisters Adecco <CH0012138605> mit knapp sechs Prozent Abschlag - hier wurde der Druck noch durch eine Verkaufsempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs gestärkt. Die Analysten hatten ihr Votum gleich um zwei Stufen von "Buy" auf "Sell" gesenkt./tav/jha/