PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas wichtigste Aktienmärkte haben sich am Donnerstag ins Plus vorgearbeitet. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> schaffte es nach anfänglichen Schwankungen bis zum späten Vormittag mit 0,48 Prozent ins Plus auf 3483,33 Punkte. Anfangs hatten noch durchwachsene Unternehmenszahlen den Anlegern die Orientierung erschwert, dann aber wurden sie mutiger.

Die US-Währungshüter hatten wie erwartet erstmals seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt gesenkt. Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch von der Bayerischen Landesbank sprach daraufhin aber nur von einer "zaghaften Zinssenkung". Risikobereiter wurden die Anleger nach aktuellen Stimmungsbarometern aus der Industrie in Südeuropa. Laut der Helaba hat dieses in Spanien leicht positiv überrascht. Auch in Italien habe dieses die Sorgen vor einer wirtschaftlichen Abkühlung gedämpft.

An den wichtigsten Länderbörsen fiel der Schwung unterschiedlich aus. Während es der deutsche Dax <DE0008469008> nur zaghaft ins Plus schaffte, ging es für den französischen Cac 40 <FR0003500008> um 0,57 Prozent auf 5550,45 Punkte aufwärts. Der britische FTSE 100 <GB0001383545> dagegen sank belastet von schwachen Öl- und Rohstoffaktien um 0,06 Prozent auf 7581,97 Zähler.

In der Branchenwertung waren Finanzdienstleistungen besonders gefragt, wie der Anstieg des entsprechenden europäischen Sektorindex um 1,9 Prozent zeigte. Rückenwind gab hier von festen Börsenbetreiber-Aktien, allen voran der London Stock Exchange <GB00B0SWJX34> (LSE) mit einem Kurssprung um 6,5 Prozent. Wie zuletzt schon vermutet kündigte dieser eine Übernahme des Finanzdatenanbieters Refinitiv an.

Die rote Laterne hielten dagegen die allgemein schwachen Rohstoffwerte mit einem Kursrutsch um 3,2 Prozent bei ihrem Teilindex. Da half auch eine angekündigte Sonderdividende von Rio Tinto <GB0007188757> nicht, die Stimmung zu heben. Rio fielen in London um runde 3 Prozent. Glencore <JE00B4T3BW64> erlitten dort sogar einen Kursrutsch um fast 5 Prozent.

Auch in der Ölbranche fielen die Aktien gemessen an ihrem Teilindex sehr deutlich um 1,2 Prozent. Hier gab ein Kursrutsch um 4,6 Prozent bei Royal Dutch Shell <GB00B03MLX29> nach Zahlen die negative Richtung vor. Analysten zufolge bremste das schwächere konjunkturelle Umfeld bei den Briten das Ergebnis.

Freundlich zu ging es marktbreit bei den Banken, hier vor allem gestützt auf die Societe Generale <FR0000130809> mit einem Anstieg um mehr als 4 Prozent. Die französische Großbank übertraf mit ihrem Gewinn im zweiten Quartal die Erwartungen der Experten. Auch die britischen Wettbewerber Barclays <GB0031348658> und Standard Chartered <GB0004082847> überzeugten ihre Anleger mit Zahlen und Kursanstiegen um bis zu 4,3 Prozent.

ING <NL0011821202> Group dagegen waren unter den Banken mit minus 3,2 Prozent der negative Ausreißer. RBC-Experte Analyst Adrian Cighi zählte in einer am Donnerstag vorliegenden Studie Verfehlungen bei den Nettozinserlösen und den Kosten zu den Belastungsfaktoren.

Schlusslicht im EuroStoxx und damit eine bedeutende Stimmungsbremse im Zuge der neuesten Unternehmenszahlen war die Siemens <DE0007236101>-Aktie mit einem Kursrutsch um 4,5 Prozent. Eine pessimistische Prognose schickte die Aktie des deutschen Konzerns in Richtung Jahrestief./tih/mis