PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die meisten Börsen in Europa haben am Dienstag nach einem kaum veränderten Start leicht zugelegt. Nach wie vor wird auf ein versöhnliches Ergebnis der Brexit-Handelsgespräche gesetzt. Ebenso wird auf einen endgültigen Durchbruch in den Verhandlungen über das schon lang erwartete staatliche Corona-Hilfspaket in den USA gesetzt sowie auf womöglich weitere Unterstützungen durch die US-Notenbank (Fed). Sie tagt am Mittwoch und entscheidet dann auch wieder über geldpolitische Angelegenheiten.

Der EuroStoxx 50 legte am späteren Vormittag um 0,59 Prozent auf 3524,71 Punkte zu. Der französische Cac 40 gewann 0,54 Prozent auf 5557,79 Punkte. Für den britischen FTSE 100 ging es um 0,22 Prozent auf 6545,90 Zähler nach oben. Der spanische Ibex 35 indes schwächelte etwas und gab zuletzt um 0,11 Prozent nach. Vor allem die Verluste von Inditex und IAG belasteten hier.

Die Aktien des Textilhändlers Inditex waren mit minus 2,0 Prozent auch schwächster Wert im EuroStoxx. Der Konzern, zu dem unter anderem die Modeketten Zara, Bershka oder Massimo Dutti gehören, verbuchte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres infolge der Corona-Pandemie herbe Einbußen. Zwischen Februar und Oktober sackte der Gewinn unterm Strich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent ab. Die schwedische Hennes & Mauritz (H&M) meldete Umsatzzahlen zum abgelaufenen Quartal, die unter den Erwartungen lagen. Die Aktien büßten 3,1 Prozent ein.

Die Papiere von VW legten um plus 5,5 Prozent zu und nahmen im Eurozonen-Leitindex die Spitze ein. Abgesehen von einer allgemein wieder positiven Einstellung zur Autobranche, die als Favorit unter den Sektoren um 1,8 Prozent zulegte, profitierten die VW-Aktien von schwindender Unsicherheit rund um den Wolfsburger Konzern. Denn: Vorstandschef Herbert Diess setzte sich im jüngsten Machtkampf um die Führung des Konzerns in Teilen durch, auch wenn eine vorzeitige Verlängerung seines Vertrags durch den Aufsichtsrat vermieden wurde.

Papiere von Fluggesellschaften litten indes unter Sorgen, dass es doch noch zu einem harten Brexit - also ohne Austrittsabkommen - kommen könnte. Gefürchtet werden in Anbetracht strenger europäischer Regelungen hohe Strafen wegen des Austauschs von Passagierdaten für Flüge in das Vereinigte Königreich. Easyjet verloren 2,2 Prozent, IAG gaben um 1,1 Prozent nach und Ryanair sanken um 0,7 Prozent.

ArcelorMittal gewannen nach einer frisch ausgesprochenen Kaufempfehlung im Cac 40 knapp 5,0 Prozent. Die französische Großbank Societe Generale hatte die Aktie des Stahlherstellers auf "Buy" hochgestuft. Das Kursziel wurde auf 32,50 Euro angehoben und damit mehr als verdreifacht.

In der Schweiz legten die Anteile der Credit Suisse an der SMI-Spitze um 1,2 Prozent zu. Aussagen während des Investorentags gaben Auftrieb. Die Schweizer Großbank hatte unter anderem ihr mittelfristiges Ziel für die Eigenkapitalrendite von 10 bis 12 Prozent bekräftigt. Novartis büßten trotz positiver Studienergebnisse zum Augenmittel Beovu am SMI-Ende dagegen 1,2 Prozent ein. Einige Marktteilnehmer hätten wohl aber gehofft, dass sich das Mittel noch stärker von der Konkurrenz absetze, erklärte ein Börsianer die Verluste./ck/stk