PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Börsen Europas haben am Freitag vor dem großen Verfallstermin an den Terminbörsen zugelegt. Dann laufen Kontrakte auf Aktien und Indizes aus, weshalb unerwartete Schwankungen möglich sind. Der EuroStoxx 50 legte am späteren Vormittag um 0,80 Prozent auf 3275,82 Punkte zu. Damit steuert der Leitindex der Eurozone aktuell auf ein Wochenplus von knapp 4 Prozent zu.

Zur Mittagszeit verfallen zunächst die Index-Optionen und -Futures von EuroStoxx 50 und Stoxx 50 an der Eurex. Gegen Handelsschluss laufen die Optionen und Futures auf die einzelnen Aktien aus.

In Paris rückte der Cac 40 am Freitag um 0,78 Prozent auf 4997,27 Zähler vor. In London legte der FTSE 100 um 0,83 Prozent auf 6275,53 Punkte zu. Dort gab es zudem erfreuliche Nachrichten vom Einzelhandel im Mai. Die Umsätze erholten sich stärker als erwartet von ihrem Einbruch im Vormonat und stiegen um 12,0 Prozent. Volkswirte hatten mit etwas mehr als der Hälfte dessen gerechnet.

"Die meisten Indizes haben sich mittlerweile zwischen 50 und 60 Prozent vom jüngsten Rückschlag im Juni wieder erholt", konstatierte Marktexperte Neil Wilson von Markets.com. Zugleich aber blieben die Wirtschaftsdaten herausfordernd und zumindest in den USA nähmen die Sorgen über steigende Infektionszahlen mit dem Corona-Virus zu.

Unter den europäischen Branchen war der Immobiliensektor Schlusslicht mit minus 0,9 Prozent. Der Öl- und Gassektor legte mit plus 1,4 Prozent indes am deutlichsten zu.

Roche legten nach Studiendaten im Stoxx 50 um 1,6 Prozent zu. Goldman-Sachs-Analyst Keyur Parekh kommentierte: Die Studie habe ihr Co-Ziel verfehlt und nicht bei allen Probanden mit Prostatakrebs das Risiko einer Verschlechterung klar verringert. Es habe aber zugleich positive Ergebnisse zu einer wichtigen Untergruppe gegeben, was "sehr ermutigend" gewesen sei. Er wolle nun die weiteren Daten abwarten, schrieb er - ebenso die Experten von JPMorgan.

ING zeigten sich im EuroStoxx fast unverändert zum Vortagesschluss. Der niederländische Bank hat einen Nachfolger für ihren scheidenden Vorstandschef Ralph Hamers gefunden. Das bisherige Vorstandsmitglied Steven van Rijswijk wird den Posten vom 1. Juli an übernehmen. Wie bereits seit längerem bekannt, wird Hamers die Leitung der Schweizer Bank UBS übernehmen.

Die Anteilsscheine von Adyen legten um 1,0 Prozent zu und näherten sich ihrem Rekordhoch vom Vortag bei knapp unter 1300 Euro damit wieder stark an. Angesichts der Turbulenzen um den Konkurrenten Wirecard dürfte der niederländische Zahlungsabwickler von der tiefen Bilanz-Krise des deutschen Wettbewerbers profitieren, konstatierte etwa Jefferies-Analyst Julian Serafini. Adyen sei gut aufgestellt, um etwaige abspringende Kunden für sich zu gewinnen.

Ein Analystenkommentar stand außerdem im Blick beim Reifenhersteller Michelin . Die Aktie zog im Cac 40 als einer der Spitzenwerte um 1,8 Prozent an und profitierte von einer frisch ausgesprochenen Kaufempfehlung der britischen Großbank HSBC./ck/fba