PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Anleger an Europas wichtigsten Aktienmärkten haben sich am Donnerstag etwas zuversichtlicher gezeigt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg gegen Mittag um 0,45 Prozent auf 3247,83 Punkte. Der französische Cac 40 gewann 0,34 Prozent auf 4898,44 Zähler. Der britische FTSE 100 verbuchte ein Plus von 0,30 Prozent auf 5964,38 Punkte.

Die Enttäuschung nach dem Verhandlungsstopp der Gespräche über ein weiteres Corona-Konjunkturpaket hätten die Anleger abgehakt, meint Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. "Im Hinblick auf das US-Hilfspaket lautet nach wie vor die Devise: 'Aufgeschoben ist nicht aufgehoben'." Auch im Hinblick auf eine mögliche Jahresendrally könnten langfristig orientierte Investoren den jüngsten Rücksetzer als Anlass zum erneuten Einstieg nutzen. Nicht zuletzt die Aussicht auf eine lange Niedrigzinsphase schaffe nur wenige Alternativen zu Aktien, bemerkte Emden.

Aus Branchensicht waren am Donnerstag europaweit Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor am meisten gefragt. Rohstoffpapiere wurden am stärksten gemieden.

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Talktalk mit einem Kursgewinn von mehr als 16 Prozent auf gut 96 Pence im Anlegerfokus. Der mit einem Anteil von mehr als 29 Prozent größte Aktionär des Telekomunternehmens, Toscafund, will die Briten für 97 Pence je Aktie übernehmen. Toscafund muss den mit knapp 29 Prozent zweitgrößten Anteilseigner und Talktalk-Chef Charles Dunstone von der Offerte überzeugen.

Beim Kampf um Borsa Italiana steht einem Pressebericht zufolge der Sieger fest. Der bisherige Eigentümer, die London Stock Exchange (LSE), verkaufe die Mailänder Börse offenbar an ein Konsortium um den Börsenbetreiber Euronext , berichteten die "Börsen-Zeitung" und Bloomberg unter Berufung auf Finanzkreise. Euronext-Titel rückten um 2,1 Prozent vor, LSE-Papiere sanken um 0,2 Prozent.

Das Wachstum des Aromen- und Duftstoffherstellers Givaudan ließ im dritten Quartal etwas nach. Auf bereinigter Basis, also ohne den Zu- und Verkauf von Unternehmensteilen sowie Währungseinflüsse, legte der Umsatz um 3,1 Prozent zu. In den ersten sechs Monaten des Jahres hatte sich der Anstieg noch auf 4,0 Prozent belaufen. Givaudan-Aktien büßten 1,9 Prozent ein.

Der britische Tabakkonzern Imperial Brands verdiente im vergangenen Geschäftsjahr wegen höherer Kosten für die Bewältigung der Corona-Krise etwas weniger. Geholfen hat die Pandemie dagegen beim Umsatz. So hätten die Menschen vor allen in Europa und den Vereinigten Staaten mehr geraucht als erwartet, hieß es. Die im FTSE 100 notierten Aktien legten um 0,4 Prozent zu.

Die Corona-Krise brockte dem britischen Billigflieger Easyjet den ersten Jahresverlust seiner Geschichte ein. Unternehmenschef Johan Lundgren lotet derzeit weitere Geldquellen aus und hofft auf Unterstützung der britischen Regierung. Denn die Ticketnachfrage bleibt immer noch weit hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Im laufenden Quartal wird Easyjet voraussichtlich nur ein Viertel des üblichen Flugprogramms anbieten. Entsprechend viel Geld fehlt in der Kasse. Die ohnehin unter Druck stehenden Aktien zeigten sich gegen Mittag aber stabil./edh/fba