PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte haben am Dienstag wieder nachgegeben. Schwache Vorgaben belasteten, so dass der EuroStoxx 50 am späten Vormittag um 1,54 Prozent auf 3683,57 Punkte fiel.

Der französische Cac 40 gab unterdessen um 1,9 Prozent auf 6251,48 Punkte ab. Der britische FTSE 100 verlor 1,11 Prozent auf 7113,52 Punkte.

Mit den Verlusten reagierten die europäische Börsen auf die Entwicklung in Fernost. "Der chinesische Börsenindex ist mittlerweile auf dem tiefsten Niveau seit der Finanzkrise angekommen", stellte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robo Markets fest. Die Auswirkungen der Lockdowns wegen steigender Corona-Zahlen dürften nicht nur im Land selbst, sondern auch in der Weltwirtschaft zu spüren sein. "Die Lieferkettenprobleme reißen nicht ab und der Krieg in der Ukraine kommt noch oben drauf."

Dabei sei beim Ukraine-Konflikt an den Märkten zuletzt allerdings eine gewisse Beruhigung zu beobachten gewesen, räumte Molnar ein. Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung spiegele sich in der Entwicklung der bisherigen Profiteure wider. "Mit den vom Krieg getriebenen Kursen von Gold und Öl geht es bergab", so Molnar.

Von einer positiven Einschätzung sind die Marktteilnehmer allerdings weit entfernt. Das unterstrich die ZEW-Umfrage eindrucksvoll. "Die Stimmung unter den Finanzmarktteilnehmern ist unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges, der beschlossenen Sanktionen gegen Russland und der Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten massiv eingebrochen", merkte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba an. Auch an der Inflationsfront zeichnet sich keine Entspannung ab. In Frankreich verstärkte sich der Preisauftrieb im Februar deutlich. Die Inflationsrate stieg auf 4,2 Prozent, nach 3,3 Prozent im Januar.

Die stärksten Verluste verzeichneten Rohstoffwerte, nachdem die Notierungen von Industrie- und Edelmetallen ihre Korrektur fortgesetzt hatten. Nach Ansicht der Rohstoffanalysten der Commerzbank werden die Angebotsrisiken derzeit ausgepreist. Die Sanktionen gegen das rohstoffreiche Russland hatten die Preise zuvor nach oben getrieben. ArcelorMittal büßten 4,3 Prozent ein.

Technologiewerte litten unter den schwachen Vorgaben der Nasdaq und der entsprechenden chinesischen Titel. Aktien der Beteiligungsgesellschaft Prosus brachen um 9,8 Prozent ein. JPMorgan hatte den Wert von "Overweight" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 87 auf 47 Euro gesenkt. Die Abstufung folge auf die deutlichen Verluste der Beteiligung Tencent hin, schrieb Analyst Jonathan Kennedy-Good.

Das Segment der Luxusgüterhersteller litt weiterhin unter dem Ukraine-Konflikt und steigenden Kapitalkosten, wie die Analysten von RBC feststellten. Daher passten sie Schätzungen und Kursziele für die Einzelwerte nach unten an. In der Folge büßten Kering 3,7 Prozent und LVMH 2,8 Prozent ein.

Besser sah es bei den Versicherern aus. Hier stachen Generali mit 0,3 Prozent Gewinn hervor. Der italienische Versicherer hatte im zweiten Corona-Jahr 2021 im Tagesgeschäft so viel verdient wie nie zuvor. Der operative Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um gut zwölf Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Generali mit gut 2,8 Milliarden Euro sogar 63 Prozent mehr als 2020.

Weniger gut kamen die Zahlen von Hennes & Mauritz an. Die Bekleidungskette erholt sich zwar mit zunehmendem Tempo von den Strapazen der Corona-Pandemie. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Februar steigerte das Unternehmen den Umsatz zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent. Allerdings wären mehr Einzelheiten zu den Auswirkungen der Geschäftsschließungen in Russland auf die Profitabilität wünschenswert gewesen, schrieb Analystin Georgina Johanan von JPMorgan./mf/eas