PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach dem erfolgreichen Jahresauftakt haben die europäischen Börsen am Donnerstag einen Dämpfer erhalten. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 , verlor am Vormittag 1,05 Prozent auf 4346,20 Punkte.

In Paris sah es ähnlich aus. Der Cac 40 sank zuletzt um 0,9 Prozent auf 7309,79 Punkte. In London büßte der FTSE 100 0,67 Prozent auf 7466,37 Punkte ein.

"Das gestrige Sitzungsprotokoll der Federal Reserve schlägt den Anlegern sauer auf", begründete Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets die Verluste. "Demnach könnten eine Wirtschaftserholung und eine höhere Inflation zu früheren und schnelleren Zinserhöhungen führen."

Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der US Notenbank hatten festgestellt, dass die Inflationsentwicklung höher und hartnäckiger gewesen sei als zuvor angenommen. Dies ging aus dem m Mittwoch veröffentlichten Protokoll (Minutes) der Sitzung der US-Notenbank vom 14. bis 15. Dezember hervor. Angesichts der Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarkt und der Inflation, könne eine schnellere Anhebung der Zinsen gerechtfertigt sein, als dies zuvor erwartet wurde. "Die Inflationsentwicklung wird sich als das Thema 2022 an den Finanzmärkten herausstellen", merkte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect dazu an.

Dies spiegelte sich in der Entwicklung der einzelnen Sektoren wider. Stärkster Verlierer waren die Technologiewerte. Sie folgten damit den Vorgaben aus den USA, wo die technologielastige Nasdaq unter Druck gekommen war. Der Sektor gilt als besonders sensibel für die Zinsentwicklung. Die extrem lockere Geldpolitik während der Corona-Krise hatte Technologiewerten zu einem Höhenflug verholfen.

Bankaktien lagen unterdessen leicht im Plus. Der Sektor gilt als einer der Profiteure steigender Zinsen. Das vierte Quartal dürfte für globale Investmentbanken solide verlaufen sein, schrieb zudem Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan. Er rechnet außerdem mit einem starken Start der Branche in das neue Jahr. Zudem stützen die Gewinne der Aktie der UBS, die von einer Hochstufung durch Keefe, Bruyette & Woods profitierte.

Auf positive Resonanz bei Analysten und Marktteilnehmer stieß auch eine Übernahme der Societe Generale . Die französische Bank stellt ihr Geschäft rund um Fahrzeugleasing und Flottenmanagement mit einer Milliardenübernahme neu auf. Der zum Konzern gehörende Fuhrparkmanager ALD Automotive wolle den niederländischen Konkurrenten Leaseplan für 4,9 Milliarden Euro übernehmen, teilte die französische Großbank am Donnerstag in Paris mit.

Autowerte setzten ihren Anstieg im Zuge der Umschichtung in zyklische Sektoren fort. Versicherer entwickelten sich ebenfalls besser als der Gesamtmarkt. Die hoch gewichtete Aktie der Allianz war nach einer Empfehlung durch Exane-BNP gesucht. Zudem gehören Versicherer wegen ihrer Anlagepolitik zu den Profiteuren steigender Zinsen./mf/mis