FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Lage am deutschen Aktienmarkt bleibt angesichts des Ukraine-Kriegs angespannt. Der Dax zeigte sich auch am Mittwoch äußerst schwankungsanfällig. Am Morgen war der deutsche Leitindex zunächst bei knapp 13 708 Punkten unter dem Tief der Vorwoche auf den niedrigsten Stand seit gut einem Jahr gefallen. Marktbeobachter sprachen von "Krisenstimmung". Die Aussicht auf weitere Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine noch an diesem Tag verhalf dem Markt im Verlauf kurzfristig in die Gewinnzone. Am Nachmittag stand der Dax zuletzt mit minus 0,06 Prozent nahezu unverändert bei 13 896,42 Zählern.

Russland zeigt sich nach Kremlangaben bereit für eine Fortsetzung der Verhandlungen mit der Ukraine noch am Mittwoch. "Heute Nachmittag, am späten Nachmittag, wird unsere Delegation vor Ort sein und auf die ukrainischen Unterhändler warten", sagte Sprecher Dmitri Peskow in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Auch der Index der mittelgroßen Werte MDax trat mit minus 0,06 Prozent zuletzt nahezu auf der Stelle bei 30 966,13 Zählern. Auf europäischer Bühne ging es bergauf, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um 0,59 Prozent auf 3787,91Punkte.

Die Ölpreise zogen zuletzt als Folge der Sanktionen weiter an und schnellten am Mittwoch auf mehrjährige Höchststände. Ebenso kletterten die Preise für wichtige Industriemetalle und der Preis für Weizen. Das heizt auch die Inflationssorgen weiter an. Zudem drohen der ohnehin bereits durch weltweite Lieferkettenprobleme bedrängten Wirtschaft auch noch Materialengpässe bei Vorprodukten aus der Ukraine.

Vor diesem Hintergrund stehen auch Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell im Fokus. Er zeigte sich weiter handlungsbereit und signalisierte eine Zinserhöhung für März.

"Die Nachrichtenflut ebbt nicht ab und so bleibt die Situation an den europäischen Aktienmärkten weiterhin angespannt", beschrieb Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirekt die aktuelle Stimmung an den Börsen. Zugleich zeige sich jedoch, dass jede noch so kleine positive Konjunkturnachricht den schwer angeschlagenen Aktienmärkten Halt geben kann. "Die Aussage der OPEC+ -Staaten, den Ölausstoß zu erhöhen, hat kurzzeitig für etwas Zuversicht gesorgt."

An der Börse profitierten die Aktien von Rohstoffproduzenten und -händlern von den anziehenden Preisen. Die Kursgewinne von Aurubis , Salzgitter, Thyssenkrupp und Klöckner & Co reichten von knapp zwei bis mehr als sechs Prozent. Nicht zuletzt ein Ausfall der Ukraine als Stahlexporteur könne für eine Verknappung des Angebots auf den europäischen Märkten sorgen, schrieb Analyst Alan Spence von Jefferies. Zudem stoppt der russische Stahlkonzern Severstal nach einem Bericht der Agentur Tass alle Lieferungen in die EU.

Zu den größten Kursgewinnern im MDax gehörten die Aktien des Düngerkonzerns K+S mit rund drei Prozent Aufschlag.

Die Autowerte blieben wie schon am Vortag unter Druck, mit Verlusten von bis zu vier Prozent für Mercedes-Benz in der ersten Börsenliga. Daimler Truck im MDax verloren mehr als fünf Prozent. In der Ukraine sitzen einige Zulieferer, den Konzernen drohen nun weitere Produktionsausfälle.

Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall verloren nach der jüngsten Kursrally mehr als fünf Prozent, nach dem noch am Morgen erreichten Rekord nahmen die Anleger Gewinne mit. Kurstreiber der Rüstungsbranche war seit Beginn des Ukraine-Kriegs hier die geplante milliardenschwere Aufrüstung der Bundeswehr. Aktien des Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt setzten zuletzt ihren Höhenflug fort und legten um vier Prozent zu. Im Dax griffen Anleger auch bei MTU und Airbus zu, das sorgte für Zuwächse von bis zu zweieinhalb Prozent.

In den hinteren Börsenreihen brachen SMA Solar nach einem enttäuschenden Ausblick um rund ein Fünftel ein. Der im Index der kleineren Werte SDax notierte Solartechnikspezialist hatte zudem sein erst Mitte Januar gesenktes Ergebnisziel für 2021 verfehlt. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler strich daraufhin seine Kaufempfehlung.

Shop Apotheke legten nach Zahlen eine Berg- und Talfahrt hin und standen zuletzt mit vier Prozent im Plus. Jefferies-Analyst Alexander Thiel sprach von soliden Zielen für 2022, diese böten Aufwärtspotenzial. Für Sixt ging es nach der Bilanzvorlage um mehr als vier Prozent nach oben. Hier lockten die Anleger die starken Jahresergebnisse des Autovermieters, eine überraschend hohe Dividende sowie der mögliche Aufstieg in den MDax .

Der Euro fiel am Nachmittag auf 1,1101 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag noch auf 1,1162 Dollar festgesetzt.

Der Bund-Future verlor zuletzt 0,40 Prozent auf 169,92 Zähler. Der Rentenindex Rex stieg um 0,34 Prozent auf 143,65 Punkte. /tav/mis

- Von Tanja Vedder, dpa-AFX -