FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach zunächst kräftigen Kursgewinnen ist der deutsche Aktienmarkt am Montag im Verlauf in die Verlustzone gerutscht. In der Spitze war der Dax <DE0008469008> um 1,2 Prozent gestiegen, war dann aber an der Hürde um 11 850 Punkten gescheitert, wie Analyst Andreas Büchler vom Börsenmagazin Index Radar anmerkte. Der Käufermangel dauere an. Zuletzt fiel der Dax um 0,16 Prozent auf 11 675,37 Punkte.

Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets sieht den Dax "weiter in der Hand der Bären", also der Kurspessimisten. Die Gefahr einer Rezession steige weltweit, "weil die Wahrscheinlichkeit dafür schwindet, dass die Amerikaner einen Handelsvertrag mit China zustande bekommen".

Händler verwiesen angesichts der sich zuspitzenden Protestwelle in Hongkong zudem auf einen weiteren Unsicherheitsfaktor. So hatte Hongkongs Flughafen wegen der anhaltenden Proteste der Demokratie-Bewegung am Montag sämtliche Abflüge für den Rest des Tages gestrichen. Der Flughafen gilt als wichtiges Drehkreuz in Südostasien und ist einer der belebtesten Airports weltweit.

Der MDax <DE0008467416>, der die Aktien mittelgroßer Unternehmen umfasst, verlor am Montag 0,35 Prozent auf 25 265,11 Punkte. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone gab um 0,2 Prozent nach.

Bei den Einzelwerten rückten die Aktien von Osram <DE000LED4000> erneut in den Fokus. Der österreichische Halbleiterkonzern AMS <AT0000A18XM4> hat erneut Interesse an einer Übernahme des in Bedrängnis geratenen Beleuchtungsherstellers bekundet und bietet 38,50 Euro je Osram-Aktie. Papiere von Osram schnellten daraufhin um knapp zehn Prozent auf 34,75 Euro nach oben.

Damit handelten sie jedoch noch immer deutlich unter dem von AMS gebotenen Preis. Analyst Christian Sandherr von der Bank Hauck & Aufhäuser vermutet, dass die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern ist. Denn große Osram-Aktionäre wie Allianz Global Investors und der Vermögensverwalter DWS seien seinerzeit wohl zu deutlich höheren Kursen bei Osram eingestiegen. Sie könnten folglich einen höheren Übernahmepreis fordern.

Aktien der Commerzbank <DE000CBK1001> fielen um 3,2 Prozent auf ein Rekordtief nur noch knapp über der 5-Euro-Marke. Auch Papiere der Deutschen Bank zeigten wieder Schwäche und verloren am Dax-Ende 3,6 Prozent. Börsianer begründeten die Schwäche mit den zunehmenden konjunkturellen Risiken und den niedrigen Kapitalmarktzinsen, die die Einnahmen der Geldhäuser belasten.

Einen Tag vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen waren Henkel <DE0006048432>-Aktien <DE0006048432> dagegen gefragt, sie verteuerten sich um 1,3 Prozent.

Aktien von Salzgitter <DE0006202005> fielen nach einem vorsichtigeren Ausblick des Stahlherstellers für das Gesamtjahr um 5,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016.

Mit neuen Hiobsbotschaften rechnen offenbar die Anleger des Autozulieferers Leoni <DE0005408884>, der am Mittwoch Quartalszahlen veröffentlicht. Der Kurs sackte um 16,6 Prozent ab und fiel erstmals seit zehn Jahren unter 10 Euro. Mit Hella <DE000A13SX22> und Dürr <DE0005565204> zeigten weitere Papiere aus der Zulieferbranche Schwäche.

Das Bankhaus Metzler erhöhte die Papiere der Hannover Rück <DE0008402215> von "Verkaufen" auf "Kaufen", was den Kurs um 2 Prozent zulegen ließ.

Mit Quartalsberichten warteten die Deutsche Pfandbriefbank <DE0008019001>, der Versicherer Talanx <DE000TLX1005> sowie die TLG Immobilien <DE000A12B8Z4> auf. Während Deutsche Pfandbriefbank um 0,9 Prozent nachgabe, bewegten sich TLG Immobilien nicht von der Stelle, Talanx rückten um 0,7 Prozent vor.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein neues Rekordtief von minus 0,61 Prozent. Am Freitag hatte die Rendite noch bei minus 0,60 Prozent gelegen. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> gewann 0,07 Prozent auf 146,66 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> stieg um 0,15 Prozent auf 177,30 Punkte.

Der Kurs des Euro <EU0009652759> notierte zuletzt bei 1,1197 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1198 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8930 (0,8934) Euro gekostet./bek/mis

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---