FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der kräftigen Erholung im späten Handel am Vortag dürfte dem Dax <DE0008469008> am Donnerstag trotz guter Nachrichten aus Italien zunächst wieder etwas die Puste ausgehen. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex rund eine halbe Stunde vor dem Xetra-Start mit einem leichten Minus von 0,14 Prozent bei 11 685 Punkten. Auch in Europa wird der EuroStoxx 50 <EU0009658145> um 0,15 Prozent niedriger erwartet.

Börsianer sehen die durch den Handelskrieg zwischen den USA und China und seine Folgen für die Weltwirtschaft verunsicherten Anleger weiter auf der Suche nach sogenannten sicheren Häfen: Anleihen, Edelmetallen, dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen. Die Erholung an der Wall Street sei entsprechend von eher geringem Volumen getragen gewesen. Die Rendite dreißigjähriger US-Anleihen fiel derweil auf ein Rekordtief und lag damit unter dem Leitzins der US-Notenbank - "was es bisher noch nie gab", sagte Marktanalyst Michael Hewson von CMC Markets UK.

Immerhin: In Italien sind die Weichen für eine neue Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD) gestellt. Es wird erwartet, dass der Staatspräsident Sergio Mattarella am Morgen den bisherigen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte beauftragt, eine Regierung zu bilden. Vor allem in der EU dürfte eine Koalition mit Beteiligung der europafreundlichen Sozialdemokraten für Erleichterung sorgen. Denn mit der würde Rechtspopulist Matteo Salvini in der Opposition landen.

"In den italienischen Aktien- und Rentenkursen war die Einigung zwischen den beiden neuen Regierungsparteien bereits im Vorfeld eingepreist", kommentierte Thomas Altmann vom Investmentunternehmen QC Partners die Entwicklung. Mit der neuen Regierung dürfte die Zusammenarbeit zwischen Italien und der EU wieder harmonischer werden. Das sei positiv für Europa und den Euro.

Konjunkturseitig werden an diesem Donnerstag unter anderem die Verbraucherpreise im August sowie die jüngsten Arbeitslosenzahlen für Deutschland erwartet. Experten rechnen hier mit einem weiteren Anstieg. Die Bundesagentur für Arbeit hatte bereits am Mittwoch darauf hingewiesen, dass die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern zuletzt vor allem in konjunktursensiblen Bereichen wie der Industrie und dem Handel weiter zurückgegangen war.

Bei den Unternehmen könnte der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh <DE0007667107> erneut einen Blick wert sein. Das Unternehmen hatte am Mittwoch seine Gesamtjahresziele sowie die Prognose für 2020 bestätigt. Außerdem werden mit der Fokussierung auf das Bahninfrastrukturgeschäft und dem jüngsten Verkauf des Lokomotiv-Geschäfts nach China nun zweistellige Ebit-Margen in sämtlichen Geschäftsbereichen angestrebt. Einem Händler zufolge sei dies zwar wenig überraschend, dürfte aber dennoch für gute Stimmung unter den Aktionären sorgen. Die Aktie stand vor Handelsbeginn leicht im Minus.

Die Optikerkette Fielmann <DE0005772206> kann mit einem Gewinnanstieg auf eine positive Entwicklung im zweiten Quartal blicken. Das Unternehmen hatte schon Mitte zur Hauptversammlung vorläufige Zahlen vorgelegt, die sich nur noch marginal veränderten. Die Aktie legte vorbörslich leicht zu.

Darüber hinaus strich das Bankhaus Metzler seine Kaufempfehlung für Südzucker <DE0007297004>. Nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am Mittwoch senkte zudem die britische Investmentbank Barclays ihr Kursziel für RTL <LU0061462528> wegen der angekündigten Investitionen ab. Das Papier gab vorbörslich leicht nach.

Die Citigroup senkte zudem ihr Kursziel für den Autozulieferer Hella <DE000A13SX22>, blieb aber bei ihrer Halten-Empfehlung. Die Aktie gab vorbörslich leicht nach. Zudem hat die britische Investmentbank HSBC ihr Kursziel für den Anlagenbauer Gea <DE0006602006> leicht runtergeschraubt.

Ansonsten werden die jüngsten Indizes-Änderungen an der Deutschen Börse am Donnerstag wirksam. So zieht das bisherige SDax <DE0009653386>-Unternehmen Cancom <DE0005419105> in den Index für mittelgroße Werte MDax <DE0008467416> ein und löst dort den Medienkonzern Axel Springer <DE0005501357> ab, der seinen Platz aufgrund des zu geringen Streubesitzes nach der erfolgreichen Übernahmeofferte des Finanzinvestors KKR räumen muss. Den frei werdenden Platz des IT-Dienstleisters erhalten die Papiere des Immobilienentwicklers Instone <DE000A2NBX80>. Bereits nach dem Index-Umbau waren die Cancom-Papiere um knappe drei Prozent angestiegen./kro/jha/