FRANKFURT (dpa-AFX) - Aktienanleger bleiben angesichts der Ungewissheit über das Tempo der geldpolitischen Straffung in den USA nervös. Nach der jüngsten Stabilisierung zeichnen sich am Freitag im Dax wieder deutliche Verluste ab. Eine Stunde vor dem Xetra-Start signalisierte der Indikator X-Dax einen Abschlag von 1,2 Prozent auf 15 720 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird ebenfalls deutlich unter Druck erwartet.

In den vergangenen beiden soliden Tagen hatte sich der Dax charttechnisch etwas Luft verschafft, die ihm nun wieder auszugehen droht: Mit dem vorbörslich erwarteten Rückschlag würde er wieder unter die 50-Tage-Linie fallen, die er zuletzt mühsam zurückerobert hatte. Sie ist bei Anlegern ein beliebter Indikator für den mittelfristigen Trend. Viele solcher Indikatoren liegen aktuell im Bereich von 15 600 bis 15 900 Punkten eng beisammen. In diesem Bereich schwankte der Dax denn auch in den vergangenen Tagen.

Schon an der Wall Street war es nach einer anfänglichen Erholung wegen der Erwartung einer strafferen Geldpolitik deutlich bergab gegangen. Der marktbreite S&P 500 rutschte auf das tiefste Niveau seit Oktober ab und der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 fiel im Indexvergleich erneut mit den höchsten Verlusten auf. Asiens Börsen nahmen den schwachen Trend am Morgen auf.

Den Markt etwas beeinflussen könnte am Freitag auch der kleine Verfall an den Terminmärkten. Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners verwies allerdings darauf, dass der Januar-Verfall zu den kleineren Verfallterminen zähle und die Auswirkungen auf die Kursentwicklung begrenzt bleiben sollten. Beim Dax seien die größten auslaufenden Positionen auch zu weit vom aktuellen Indexstand entfernt sind, um die Kurse nachhaltig zu bewegen.

Vorbörslich nach unten ging es um 5,6 Prozent bei Siemens Energy , und dies einmal mehr wegen einer Gewinnwarnung der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa . In deren Folge musste auch der Dax-Konzern seine Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr senken. Eckdaten gab es von Siemens Energy auch: In den anderen Bereichen seien diese stark gewesen, erklärte Philip Buller von der Berenberg Bank. Im Schlepptau der schlechten Gamesa-Nachrichten wurde auch der Konkurrent Nordex vorbörslich mit mehr als fünf Prozent im Minus gehandelt.

Ansonsten bewegten abermals Analystenkommentare. Von der Societe Generale etwa gab es eine Kaufempfehlung für Siemens, während diese umgekehrt für Munich Re aufgegeben wurde. Beide Aktien standen vorbörslich aber mit dem Gesamtmarkt unter Druck.

Die Auto1 -Papiere konnten ihre Vortagserholung nicht fortsetzen. Sie sanken vorbörslich um 1,2 Prozent. Am Donnerstag war schon Goldman Sachs optimistisch geworden, nun folgte die britische Barclays-Bank mit einer Hochstufung auf "Overweight" und verwies dabei auf eine günstige Bewertung der Aktien. In dem schwachen Marktumfeld gerade für Tech-Werte half dies aber nicht./tih/mis