FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax dürfte am Mittwoch weiter um die Hürde von 13 000 Punkten kämpfen. Nach dem kurzen Ausflug über diese Marke am Vortag könnte die steigende Zahl an Corona-Neuinfektionen und der starke Euro jedoch bremsen. Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte rund eine Stunde vor dem Börsenbeginn ein minimales Plus von 0,05 Prozent auf 12 888 Punkte. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 , wird ebenfalls leicht im Plus erwartet.

Das Robert Koch-Institut registrierte am Dienstag die höchste Zahl an Neuinfektionen in Deutschland seit mehr als drei Monaten. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 1510 neue Fälle. Darüber hinaus könnten Aktien exportabhängiger Unternehmen belastet werden, da sich der starke Euro zunehmend der nächsten runden Marke von 1,20 Dollar nähert.

Dass sich der Dax am Dienstag - wie bereits in der vergangenen Woche - nicht über dem Niveau von 13 000 Punkten habe halten können, "drückt auf die Stimmung", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Er sprach zugleich von einer "zunehmenden Nervosität an den Börsen", was allerdings auch saisonale Gründe habe. Der August gelte als schwacher Börsenmonat mit geringen Handelsumsätzen und damit als anfällig für starke Schwankungen.

Hinzu kommt, dass die USA geplante Gespräche mit China zur Überprüfung der erzielten Fortschritte seit dem Abschluss eines Teilhandelsabkommen im Januar bis auf Weiteres abgesagt haben, wie US-Präsident Donald Trump am Dienstag anlässlich eines Wahlkampfauftritts sagte. Und auch die Brexit-Gespräche stecken fest: Knapp viereinhalb Monate vor Ablauf der Frist schwinden die Hoffnungen, auf einen umfassenden Vertrag zwischen Großbritannien und der EU.

Im Fokus unter den 30 Dax-Konzernen dürften an diesem Morgen die Aktien von RWE stehen. Der Stromkonzern nahm per Kapitalerhöhung brutto zwei Milliarden Euro ein und will so seine zugleich höher gesteckten Ziele zur Investition in Alternativen Energien finanzieren. Die neuen Aktien wurden für 32,55 Euro je Stück verkauft und sind für das Geschäftsjahr 2020 dividendenberechtigt. Der Schlusskurs im Xetra-Hauptgeschäft hatte bei 34,24 Euro gelegen. Entsprechend stehen die Papiere nun vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate unter Druck. Sie büßten im Vergleich zum Xetra-Börsenschluss etwas mehr als 3 Prozent ein.

Laut RBC-Analyst John Musk kam der Schritt auf den ersten Blick unerwartet. Er eröffne jedoch neue Möglichkeiten in der Expansion im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die aufpolierte Bilanz gebe mehr Spielraum für Wachstum und mehr Flexibilität.

Sparen über Personalabbau will dagegen der von der Corona-Krise schwer getroffene Motorenhersteller Deutz . Dafür erzielte das SDax -Unternehmen eine Einigung mit dem Betriebsrat. 350 Mitarbeiter sollen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms für die deutschen Standorte abgebaut werden. Insgesamt plant Deutz den sozialverträglichen Abbau von bis zu 1000 Stellen weltweit bis 2022. Neu ist zumindest nicht, dass Deutz sparen wolle, erinnerte ein Händler an die jüngsten Aussagen zur Zahlenvorlage. Der Aktienkurs von Deutz legte auf der Handelsplattform Tradegate dennoch vorbörslich 2 Prozent zu./ck/mis