FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse am deutschen Aktienmarkt bleiben nach oben gerichtet. Der Dax dürfte nach seiner starken Handelssitzung zur Wochenmitte am Donnerstag zunächst moderat weiter zulegen. Knapp eine Stunde vor dem Börsenstart signalisierte der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex ein Plus von 0,54 Prozent auf 14 519 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird mit 0,8 Prozent Aufschlag erwartet.

Tags zuvor war das wichtigste deutsche Börsenbarometer von den starken Börsen in Fernost und den USA angeschoben worden. Auch gaben neue Hoffnungen auf eine Annäherung im Ukraine-Krieg Rückenwind. Der Dax war in diesem Umfeld bereits bis auf 14553 Punkte gestiegen, bevor ihm etwas die Luft ausging - letztlich ging er mit plus 3,76 Prozent aus dem Handel. Insgesamt hat der Leitindex inzwischen mehr als die Hälfte seines Rückschlags vom Rekordhoch bei 16 290 Punkten wieder aufgeholt.

Am Vorabend schaffte die US-Notenbank aufgrund der hohen Inflation erwartungsgemäß Fakten in der Zinswende und erhöhte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Maßgeblich für den Markt ist nun das weitere Tempo der Zinswende, denn die Entscheider der Fed haben eine schnellere Straffung ihrer bisher ultralockeren Geldpolitik signalisiert. Thomas Altmann, Portfoliomanager von QC Partners, sieht die Anleger aber gelassen reagieren: "Der Glaube an die Stärke der US-Wirtschaft wiegt schwerer als die Angst vor noch schneller steigenden Zinsen", so der Experte. An diesem Donnerstag dürfte auch die Bank of England mit einer weiteren Zinserhöhung folgen.

Abseits der Notenbanken hatten zuletzt an den Börsen vor allem Entspannungssignale im Krieg zwischen der Ukraine und Russland die Stimmung an den Börsen dominiert und für Erleichterung gesorgt. Am Vortag hatte es von ukrainischer Seite geheißen, es würden Dokumente für direkte Gespräche zwischen den Präsidenten beider Länder ausgearbeitet. Alexander Rodnyansky, der Berater des ukrainischen Präsidenten, dämpfte jedoch im deutschen Fernsehen die Hoffnung auf eine baldige Friedenslösung. Russland versuche, Zeit zu kaufen, um neue Truppen heranzuziehen und dann wieder eine Offensive starten, sagte er in der Sendung "maischberger. die woche".

Auch Michael Hewson von CMC Markets zeigte sich skeptisch. "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Russland nur den Schein wahren will." Die Märkte jedoch schienen sich lieber zufriedenzugeben und über Ungereimtheiten und neue russische Gräueltaten hinwegzusehen, schrieb der Börsenkenner.

Auf Unternehmensseite stachen vorbörslich die Papiere von Thyssenkrupp mit deutlichen Abschlägen heraus. Auf der Handelsplattform Tradegate knickte der Kurs um fast fünf Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss ein. Der Industriekonzern rechnet infolge des Krieges in der Ukraine mit einer "Beeinträchtigung der Geschäftsentwicklung" und setzte seine Prognose für den freien Barmittelzufluss für das Geschäftsjahr 2021/2022 aus.

Bei den übrigen Einzelwerten könnte noch einmal die Bilanzsaison für Bewegung sorgen. Zahlreiche Unternehmen aus den hinteren Börsenreihen öffnen an diesem Handelstag ihre Bücher, darunter etwa der Telekommunikationskonzern United Internet und seine Tochter 1&1 . Aktien des Leasingspezialisten Grenke legten nach endgültigen Zahlen und dem Ausblick vorbörslich deutlich zu. Interesse dürfte ferner auch der Kapitalmarkttag des Autobauers BMW auf sich ziehen./tav/zb