FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt deutet alles auf einen verhaltenen Start in die neue Börsenwoche hin. Nach dem Jahreshoch im Dax <DE0008469008> in der vergangenen Woche dürfte der deutsche Leitindex am Montagmorgen zunächst zurückfallen, weil viele Anleger nun lieber auf Nummer sicher gehen und Gewinne einstreichen.

Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte rund eine Stunde vor dem Start ein Minus von 0,40 Prozent auf 12290 Punkte. Für den EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone wird ein Abschlag von 0,20 Prozent erwartet.

Seit dem Zwischentief vor drei Wochen bei 11 620 Punkten war der Dax getrieben von der Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik der Notenbanken um bis zu 7 Prozent nach oben gerannt. Anleiherenditen auf Rekordtiefs treiben die Anleger förmlich in Aktien.

Doch zwei Aspekte bremsen nun den Drang der Investoren: der immer näher rückende G20-Gipfel und die Eskalation im Konflikt der USA mit dem Iran. Bereits vor dem Wochenende hatte die Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern der jüngsten Börsenrally Wind aus den Segeln genommen.

Zu Wochenbeginn will US-Präsident Donald Trump nun "bedeutende zusätzliche Sanktionen" verkünden, um die Führung in Teheran an den Verhandlungstisch zu zwingen. Die USA beantragten zudem eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Der Streit bleibe ein Pulverfass auch für die Börsen, sagte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Doch solange sich neue Eskalationsstufen im Bereich wirtschaftlicher Sanktionen bewegten, können die Aktienmärkte damit noch recht gut leben.

So hatten die Anleger auch den weiter schwelenden Handelsstreit mit China zuletzt eher ausgeblendet. Doch gelöst ist der Konflikt noch lange nicht. Alle Welt schaut nun auf den G20-Gipfel Ende der Woche in Japan. Dann ist ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geplant. Ob sich beide Seiten annähern, steht wie immer in den Sternen.

Auf Unternehmensseite rückt zu Wochenbeginn der Autobauer Daimler <DE0007100000> mit einer Gewinnwarnung in den Fokus. Wegen hoher Rückstellungen im Zusammenhang mit der Affäre um mutmaßlich manipulierte Dieselmotoren sehen die Stuttgarter ihren operativen Jahresgewinn nun nur noch auf Vorjahresniveau. Vorbörslich stieß das den Anlegern bereits bitter auf und die Aktien gaben deutlich nach. Die Papiere der Konkurrenten BMW und Volkswagen fielen ebenfalls.

Die Umstellung der Dividendenpolitik durch die Lufthansa <DE0008232125> kam dagegen gut bei den Investoren an. Auch eine neue strategische Partnerschaft in Großbritannien für das Biotechunternehmen Evotec <DE0005664809> traf vorbörslich den Geschmack der Investoren. Noch deutlicher ging es für die Morphosys <DE0006632003>-Aktien nach Daten einer wichtigen Blutkrebsstudie nach oben - sie schnellten zuletzt auf der Handelsplattform Tradegate um fast siebeneinhalb Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss nach oben.

Weiterhin einen Blick wert sein dürften Metro-Aktien. Der angeschlagene Lebensmittelkonzern sieht sich durch ein bereits vor dem Wochenende bekannt gewordenes Übernahmeangebot als zu niedrig bewertet. Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will gemeinsam mit seinem slowakischen Kompagnon Patrik Tkac Metro komplett übernehmen.

Zum Wochenstart gibt es zudem noch einige Veränderungen in den Indizes hinter dem Dax, die für Bewegung sorgen können. So steigt Wacker Chemie <DE000WCH8881> aus dem Index der mittelgroßen Werte MDax <DE0008467416> ab. Nachrücker ist der Leasingspezialist Grenke <DE000A161N30>. Im Kleinwerteindex SDax <DE0009653386> müssen Vossloh <DE0007667107> und Hapag Lloyd <DE000HLAG475> ihre Plätze für Eckert & Ziegler <DE0005659700> und DMG Mori <DE0005878003> räumen./tav/mis