FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Präsidentschaftswahlsieg Joe Bidens in den USA dürfte der Erholungsrally des deutschen Aktienmarkts am Montag neuen Auftrieb bescheren. Nach dem Rücksetzer am Freitag wird der Dax mit Gewinnen erwartet: Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte knapp eine Stunde vor dem Börsenstart ein Plus von 1,8 Prozent auf 12 708 Punkte.

Bereits in der Woche zuvor hatte das deutsche Börsenbarometer mit plus acht Prozent kräftig zugelegt und sich trotz aller Unsicherheiten während der US-Wahl von seinen jüngsten coronabedingten Verlusten fast vollständig erholt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 dürfte zum Handelsstart um 1,5 Prozent zulegen.

Mit dem Sieg des Demokraten Biden weiche die Unsicherheit, erläuterte Marktstratege Stephen Innes vom Broker Axi. Die Schwankungen dürften nun merklich nachlassen. Zusammen mit den Stützungsmaßnahmen der Notenbanken zur Abfederung der negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie könnte die Börsenrally daher auch nach der Wahl erst einmal weitergehen.

Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners kommentierte: "Offenbar trauen es die Anleger dem Duo Biden/Harris zu, aus den gespaltenen Staaten von America wieder United States zu formen." Gut ankommen dürfte wohl auch, dass Biden und die künftige Vize-Präsidentin Kamala Harris den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie vom ersten Tag im Amt an verschärfen wollten. Dies sei wichtig, "wird die immer schnellere Ausbreitung der Pandemie doch zur immer größeren Gefahr für die Wirtschaft".

Unter den Einzelwerten rückt mit Jahreszahlen und einem Ausblick auf das angelaufene erste Geschäftsquartal der Chiphersteller Infineon in den Blick. Das Zahlenwerk samt den Aussagen zum weiteren Geschäftsverlauf kam spontan insgesamt gut an. Der Dividendenvorschlag wurde allerdings wegen der Corona-Lage und andauernder Risiken reduziert. Zudem, so sagte ein Händer, enttäusche die Marge in der Autosparte etwas. Auf der Handelsplattform Tradegate ging es für die Papiere vorbörslich dennoch deutlich nach oben.

Derweil dürften Nachrichten vom Flugzeugbauer Airbus für etwas Erleichterung unter seinen Anlegern sorgen. Im Oktober wurde mit 72 Maschinen wieder etwas mehr ausgeliefert. Zwar kassierte der Konzern zugleich drei Stornierungen, holte aber auch elf Neubestellungen herein.

Der Softwarehersteller Nemetschek will sein Wachstum unter dem neuen Chef Axel Kaufmann mit Übernahmen beschleunigen. "Wir sind in eine Größenordnung hineingewachsen, in der wir große und mittelgroße Zukäufe stemmen können", sagte der seit jetzt knapp einem Jahr amtierende Kaufmann der "Euro am Sonntag". "Wir sehen uns Firmen in Europa und Amerika an." Der Umsatz des auf Bausoftware spezialisierten MDax -Konzerns Nemetschek soll so von zuletzt 557 Millionen Euro "in einigen Jahren der Schwelle von einer Milliarde Euro nahe kommen".

Auch Traton könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen, denn der milliardenschwere Einstieg der VW-Lkw-Holding Traton in den nordamerikanischen Nutzfahrzeugmarkt ist auf der Zielgeraden. Die Traton SE hat mit dem US-Truck- und Bushersteller Navistar einen bindenden Vertrag über einen Zusammenschluss geschlossen.

Umstufungen könnten zudem Compugroup und Encavis bewegen. Die Privatbank Berenberg strich angesichts der jüngsten Kursrally ihre Kaufempfehlung für die Aktie des IT-Software-Unternehmens Compugroup. Die Commerzbank senkte ihr Votum für den Betreiber von Solar- und Windparks Encavis vor den Quartalszahlen auf "Reduce"./ck/mis