FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach neuen US-Drohungen gegen die Europäische Union im Zollkonflikt hat sich im deutschen Aktienmarkt am Dienstag kaum etwas getan. Zum Nachmittag legte der Dax <DE0008469008> leicht um 0,03 Prozent zu und notierte bei 12 525,35 Punkten. Mit Blick auf versöhnliche Gesten im Handelskrieg zwischen den USA und China war der Index tags zuvor im frühen Handel noch bis auf 12 619 Punkte gesprungen. Allerdings hatte es dann schnell an Anschlusskäufen gefehlt und die Gewinne waren geschmolzen.

Für den MDax <DE0008467416> als Index der mittelgroßen Unternehmen ging es am Dienstag zuletzt um 0,47 Prozent auf 25 654,74 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> gewann dagegen zum Nachmittag 0,13 Prozent dazu.

Kurz nach dem Burgfrieden im Handelsstreit mit China hatte die US-Regierung am Montagabend eine Liste mit EU-Waren vorgestellt, auf die Vergeltungszölle für verbotene Flugzeugsubventionen verhängt werden könnten. Die Liste umfasst Güter im Wert von rund vier Milliarden US-Dollar. "Es kam, wie es kommen musste", kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank den Vorgang. "Der US-Präsident hat nun die EU auf die Agenda gesetzt. Die trügerische Einigkeit nach dem G20-Gipfel hatte eine nur sehr kurze Halbwertszeit."

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker Axitrader glaubt dagegen, dass es künftig eher bei der Drohung bleiben wird: "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich, dass Präsident Trump eine neue Front im Handelskrieg eröffnen wird", schrieb er. "Vor allem jetzt, wo er sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr nach einem Triumph sehnt."

Allerdings bleiben auch andere politische Konflikte präsent: In der Krise mit dem Iran haben die USA die Führung in Teheran eindringlich vor der angedrohten Anreicherung von Uran gewarnt. Und in Hongkong drohte Regierungschefin Carrie Lam nach der zeitweisen Besetzung des Parlaments den Demonstranten mit Konsequenzen.

Hinzu kam am Dienstag ein überraschender Dämpfer aus dem Konjunkturbereich. Demnach waren die Umsätze im deutschen Einzelhandel laut Statistischem Bundesamt preisbereinigt um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat gefallen. Experten hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet.

Auf Unternehmensseite sorgte die weitere Entwicklung bei der Deutschen Bank <DE0005140008> für Bewegung im Aktienkurs. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass das Bankhaus mehr als ein Fünftel seiner Stellen streichen könnte, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg nun, dass das Geldhaus laut Insidern mit den Aufsichtsbehörden eine Senkung des Kapitalpolsters diskutiert. Zudem gab der Konzern am Montagabend bekannt, dass die Integration der Postbank etwa 1300 weitere Stellen kosten werde. Ein Händler wertete den Bericht über den Kapitalplan zunächst positiv. Nachdem die Aktie denn auch mit einem Plus in den Handel ging, fiel sie zuletzt aber um 0,30 Prozent.

Zweitgrößter Verlierer im Dax waren die Aktien des Chemiekonzerns BASF <DE000BASF111> mit einem Minus von 1,77 Prozent. Nach entsprechenden Analystenkommentaren befürchteten einige Anleger hier wohl, dass der Konzern bei den Jahresprognosen bald zurückrudern könnte.

Die Papiere der Hornbach Holding <DE0006083405> waren nach einer Kaufempfehlung durch die Investmentbank Oddo BHF gefragt. Nach Einschätzung der Analysten hatte das Unternehmen einen überzeugenden Geschäftsverlauf im maßgeblichen ersten Geschäftsquartal erreicht. Der ausgesprochen konservative Ausblick dürfte problemlos erreicht werden, hieß es. Die Aktie im SDax <DE0009653386> notierte rund eine Stunde nach Handelsbeginn 1,71 Prozent im Plus.

Im MDax <DE0008467416> erfreute der Bausoftware-Spezialist Nemetschek <DE0006452907> mit einem Verkauf seiner Beteiligung am Software-Anbieter Docuware. Die Transaktion führt zu einer erheblichen einmaligen Erhöhung des Ergebnisses je Aktie. Die Aktie kletterte zum Nachmittag mit einem Plus von über einem Prozent an den zweiten Platz im Index. Absoluter Spitzenreiter waren die Papiere des Rückversicherers Hannover Rück <DE0008402215>, die mit einem Preis von zwischenzeitlich 145,40 Euro so viel kosteten wie noch nie.

Der Börsenstart des defizitären Online-Modehändlers Global Fashion Group (GFG) <LU2010095458> verlief indes genau so holprig, wie schon die vorherige Platzierung der Aktien. Nachdem die Papiere letztlich zu 4,50 Euro ausgegeben wurden, starteten sie auf Xetra mit 4,47 Euro und rutschten bis zuletzt auf 4,15 Euro ab. Auf den Kurs des Großaktionärs Rocket Internet <DE000A12UKK6> wirkte sich das jedoch nicht negativ aus.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,35 auf minus 0,37 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,13 Prozent auf 145,1 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> blieb mit minus 0,01 Prozent bei 172,76 Punkten so gut wie unbewegt.

Der Euro <EU0009652759> kostete zuletzt 1,1296 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1349 (Freitag: 1,1380) festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8811 (0,8787) Euro gekostet./kro/mis

--- Von Karolin Rothbart, dpa-AFX ---