FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der jüngsten Erholung hat der Dax am Montag einen Dämpfer erhalten. Sorgen wegen möglicher neuer Corona-Einschränkungen in China und eines drohenden dauerhaften Gasstopps aus Russland ließen den deutschen Leitindex zunächst um knapp zwei Prozent absacken. Am Nachmittag dämmte er bei 12 12 908,34 Punkten sein Minus aber auf 0,82 Prozent ein.

Damit endete gleichwohl der kräftige Aufwärtsimpuls seit dem vergangenen Dienstag, als der Dax den tiefsten Stand seit November 2020 erreicht hatte, wie Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets erklärte. Eine Bodenbildung sei nun nur möglich, wenn das neue Tief in den kommenden Tagen verteidigt werde und der Index nachhaltig über die 13 000er Marke steigen könne. Doch dafür dürfte wieder die Kraft fehlen, befürchtet der Experte. Vorsichtig äußerte sich auch IG-Market-Kollege Christian Henke: Ein neuerlicher Test der Jahrestiefs wäre angesichts der Risiken (Energiekrise und Corona in China) keine allzu große Überraschung.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gab am Montag um 1,28 Prozent auf 25 963,39 Punkte nach. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,56 Prozent auf 3486,98 Zähler nach unten.

Gegenwind kam von den schwachen chinesischen Börsen sowie den US-Futures, die auf eine verhaltene Eröffnung an den richtungsweisenden amerikanischen Märkten hindeuten. Das Risiko weiterer Corona-Beschränkungen in China verschärfe wieder die Sorgen über die globalen Wirtschaftsaussichten, hieß es am Markt. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte dort den Angaben zufolge den höchsten Stand seit Ende Mai.

Zudem fließt vorerst kein russisches Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Europa. Plangemäß beginnen etwa zehntägige Wartungsarbeiten, und es herrscht die Sorge, dass der Fluss danach gekappt bleiben könnte. Russland hatte Mitte Juni die Lieferungen deutlich reduziert und dies mit einer sanktionsbedingt fehlenden Turbine begründet. Nach einer Entscheidung der kanadischen Regierung soll diese nun nach Deutschland geliefert werden.

Aktien der konjunktursensiblen Gas-Großverbraucher aus der Chemie-, Industrie-, Auto- und Stahlbranche zählten zu den größten Verlierern. Im Dax belegten Daimler Truck , Covestro , BASF , Siemens und die Volkswagen-Dachgesellschaft Posche mit Kursabschlägen von 1,7 bis 3,8 Prozent die hinteren Plätze. Bei Siemens belastete zudem eine Abstufung durch das US-Analysehaus Bernstein Research. Die Experten halten die aktuellen wirtschaftlichen Risiken bei vielen Aktien aus dem Investitionsgütersektor für nicht ausreichend eingepreist.

Im MDax verbilligten sich Thyssenkrupp und im Nebenwerte-Index SDax Salzgitter um jeweils über drei Prozent. Außerhalb der wichtigen Indizes verloren ElringKlinger 2,3 Prozent, nachdem der Autozulieferer im Rahmen vorläufiger Quartalszahlen über eine Abschreibung von mehr als 86 Millionen Euro berichtet hatte.

Bei Airbus stand nach Anfangsverlusten ein Plus von rund einem halben Prozent zu Buche. Der weltgrößte Flugzeughersteller steigerte im Juni seine Auslieferungen gegenüber dem Vormonat deutlich. Für sein Jahresziel von rund 720 auszuliefernden Flugzeugen muss sich der Boeing -Konkurrent zwar weiter ranhalten: Nach den ersten sechs Monaten sind davon erst 297 geschafft. Allerdings ziehen die Auslieferungszahlen bei dem Hersteller üblicherweise gegen Jahresende deutlich an.

Schwächster MDax-Wert war nach der jüngsten Stabilisierung Uniper mit einem Minus von zuletzt knapp 13 Prozent, womit die Aktie sich wieder ihrem jüngst markierten Rekordtief näherte. Nach dem Antrag des strauchelnden Gasversorgers auf staatliche Unterstützung ist weiter unklar, wie diese genau aussehen wird. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will bei der Rettung des Unternehmens auch die Eigentümer in die Pflicht nehmen. Uniper-Hauptaktionär ist der finnische Energieversorger Fortum , der rund 80 Prozent des Grundkapitals hält und der wiederum zu etwas mehr als 50 Prozent dem finnischen Staat gehört. Er stellt sich gegen weitere Hilfen für die Tochter. Die Fortum-Aktien sanken um mehr als vier Prozent.

Dagegen verteuerten sich RWE-Titel an der Dax-Spitze um über zwei Prozent. Sie profitierten ebenso wie die britische Konkurrenz davon, dass dort aktive Stromanbieter vorerst keine Sondersteuer auf sogenannte Übergewinne im Zuge hoher Energiepreise fürchten müssen. RWE sieht in Großbritannien einen der strategischen Schlüsselmärkte und plant dort bis 2030 Milliardeninvestitionen.

Bei Nordex konnten sich die Anleger nach Anfangsverlusten über ein Kursplus von mehr als dreieinhalb Prozent freuen, obwohl sich der Windkraftanlagenbauer mit der Ausgabe neue Aktien erneut frisches Geld besorgt. Mit der Maßnahme will das Unternehmen, das mit hohen Verlusten ins Jahr gestartet ist, die Kapitalstruktur stärken. Für einen Börsianer ließ die zweite Maßnahme binnen weniger Tage "die Alarmglocken" läuten. Analyst Constantin Hesse von Jefferies Research sieht es hingegen weniger dramatisch: Die Maßnahme stimme zwar weniger zuversichtlich mit Blick auf die Jahresziele, in der Windkraft-Branche seien ausreichende Barmittel aber besonders wichtig.

Ein Kursminus von fast dreieinhalb Prozent verzeichnete indes Indexnachbar Flatexdegiro , nachdem die US-Bank Morgan Stanley die Beobachtung des Online-Brokers mit dem Votum "Underweight" aufgenommen hatte. Analyst Panos Ellinas sieht in der enorm hohen Abhängigkeit des Onlinebrokers von volatilen Transaktionsumsätzen ein zweischneidiges Schwert.

Der Euro gab deutlich nach und notierte mit zuletzt 1,0079 US-Dollar. Nur knapp über dem 20-Jahres-Tief aus der vergangenen Woche. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 1,0163 Dollar festgesetzt.

Die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen stieg von 1,10 Prozent am Freitag auf 1,12 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,03 Prozent auf 134,65 Punkte zu. Der Bund-Future gewann 0,49 Prozent auf 105,81 Zähler./gl/mis

- Von Gerold Löhle, dpa-AFX -