FRANKFURT (dpa-AFX) - Sorgen vor einer neuen Corona-Infektionswelle haben am Mittwoch wieder um sich gegriffen. Trotz überraschend guter Stimmungsdaten deutscher Unternehmen im Juni ging der Dax auf Talfahrt und büßte seine Vortagesgewinne wieder ein. Gegen Mittag gab der deutsche Leitindex um 2,32 Prozent auf 12 233,69 Zähler nach. Am Dienstag noch war er zeitweise wieder über die Marke von 12 600 Punkte geklettert. Vorsichtig wurden die Anleger zudem, da auch die Wall Street mit Verlusten zum Handelsauftakt erwartet wird.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte verlor 1,61 Prozent auf 25 748,33 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 2,1 Prozent ein.

Eindringlich warnten Gesundheitsexperten vor einer zweiten Viruswelle in Großbritannien. Es bestehe ein "echtes Risiko", schrieben sie in einem vom "British Medical Journal" veröffentlichten Brief. Sie kritisierten die umfangreichen Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen in England, die Premier Boris Johnson am Tag zuvor bekanntgegeben hatte. Zudem sprach Österreich nach dem massiven Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh eine Reisewarnung für Nordrhein-Westfalen aus.

"Die Lage bleibt angespannt. Nachrichten rund um Corona überlagern die positiven Ifo-Daten", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Wie das Ifo-Institut am späteren Vormittag bekannt gegeben hatte, hellte sich die Stimmung deutscher Unternehmen seit dem drastischen Einbruch in der Corona-Krise im Juni kräftig auf. Analysten hatten damit zwar gerechnet, waren aber mit Blick auf die vorgelegten Daten nicht ganz so optimistisch gewesen.

Im Dax gaben bis zur Mittagszeit alle 30 Werte nach. Unter ihnen ging die Wirecard-Aktie nach einer anfänglichen weiteren Erholung zuletzt besonders steil auf Talfahrt. Das Papier des in einen Bilanzskandal verwickelten Zahlungsabwicklers sackte um satte 20 Prozent ab. Bisher wurden infolge eines Eingeständnisses des Unternehmens über fehlende Milliarden insgesamt mehr als 10 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet.

Das Infineon-Papier verlor nach frühen Gewinnen 0,7 Prozent. Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan hatte die Aktie des Chipherstellers angesichts der rasanten Erholung der Autobranche in China und den USA auf "Overweight" gehoben und auch das Kursziel kräftig auf 28 Euro hochgesetzt.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen büßte 3,1 Prozent ein. Insidern zufolge hat der Autobauer ein Auge auf den mit der Wirtschaftsflaute ringenden Autovermieter Europcar geworfen. Eine Offerte werde erwogen, doch seien die Überlegungen noch in einem sehr frühen Stadium, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Bewegung gab es auch unter den Nebenwerten: Eine millionenschwere Kapitalerhöhung und Wandelschuldverschreibungen belasteten die Anteilsscheine der Immobiliengesellschaft LEG im MDax mit 3,4 Prozent. Mit den Erlösen will die LEG unter anderem die Übernahme von Wohneinheiten refinanzieren.

Außerhalb der Dax-Familie zogen die Aktien des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor um 8,2 Prozent an. Angesichts einer hohen Nachfrage nach Computern in der Corona-Krise hatte sich das in Großbritannien ansässige Unternehmen optimistischer für die Geschäftsentwicklung in seinem zweiten und dritten Quartal gegeben./ck/fba

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -