FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Furcht vor der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in vielen Ländern der Welt hat am deutschen Aktienmarkt einen Kursrutsch ausgelöst. Falls die Mutation auf dem Vormarsch bleiben sollte, ist Experten zufolge eventuell die globale Wirtschaftserholung in Gefahr. Der Leitindex Dax weitete am Montag seine jüngsten Verluste deutlich aus und sackte auf das Niveau von Mai ab.

Bis zum frühen Nachmittag knickte der Dax um 2,53 Prozent auf 15 146,61 Punkte ein. Damit fiel das Börsenbarometer deutlich unter die 50-Tage-Durchschnittslinie, die als Gradmesser für den mittelfristigen Trend gilt. Nunmehr steuert der Leitindex auf den größten prozentualen Tagesverlust dieses Jahres zu.

Am vergangenen Mittwoch hatte der Dax mit 15 810 Punkte einen Rekordstand erreicht, dann jedoch gedreht und auf Wochensicht rund ein Prozent verloren. Auch an der tonangebenden Wall Street haben sich die Indizes jüngst von ihren historischen Bestmarken entfernt.

Der MDax fiel am Montag um 1,92 Prozent auf 33 788,82 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte um 2,5 Prozent ab.

Die Inflationsangst sei zwar dank der Kommentare der Zentralbanken in den Hintergrund gerückt, schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus Axi. Dafür aber nähmen die Sorgen rund um die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus zu. Vor allem in Fernost sei ein starker Anstieg der Neuinfektionen zu verzeichnen. Auch in den USA macht ein deutlicher Anstieg von Corona-Neuinfektionen den Behörden im Land Sorge.

Unter der wieder gestiegenen Nervosität der Anleger litten europaweit unter anderem die Aktien aus der Reise- und Freizeitbranche . Neue coronabedingte Einschränkungen im internationalen Flugverkehr würde diesen Sektor besonders hart treffen.

Hierzulande verloren im MDax die Papiere der Fluggesellschaft Lufthansa und die Anteilsscheine des Flugzeugbauers Airbus jeweils rund fünf Prozent. Im Dax büßten die Aktien des Triebwerkherstellers MTU knapp fünf Prozent ein. In den hinteren Börsenreihen ging es für die Papiere des Tourismuskonzerns Tui um mehr als fünf Prozent nach unten.

Die Anleger mieden zu Wochenbeginn jedes Risiko, schrieb Analyst Neil Wilson von Handelshaus Markets.com. Neben den zunehmenden Sorgen bezüglich der Corona-Varianten belasteten auch steigende Fallzahlen und eine nachlassende Wirksamkeit der Impfstoffe die Zuversicht schwer.

Zudem machten die Anleger einen Bogen um die besonders konjunktursensiblen Stahlwerte: So fielen Thyssenkrupp und Klöckner & Co um jeweils rund sechs Prozent.

Im Dax wiederum verzeichneten alle 30 Werte Verluste. Einbußen von rund fünf Prozent mussten die Aktionäre von RWE hinnehmen. Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen hat auch das Kohlekraftwerk Weisweiler und andere Standorte des Energiekonzerns getroffen. Das Unternehmen schätzte die Schäden auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Der Euro litt ebenfalls unter der wachsenden Corona-Verunsicherung und notierte zuletzt bei 1,1773 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitag auf 1,1802 Dollar festgesetzt.

Am deutschen Anleihemarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,41 Prozent am Freitag auf minus 0,43 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 145,77 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,25 Prozent auf 175,44 Punkte zu./la/mis

- Von Lutz Alexander, dpa-AFX -