FRANKFURT (dpa-AFX) - Erneut aufgeflammte Corona-Sorgen sowie die Gefahr weiterer US-Zölle auf Waren aus Europa haben am Mittwoch die Anleger verschreckt. Ungeachtet überraschend guter Stimmungsdaten deutscher Unternehmen büßte der Dax einen Großteil seiner Vortagesgewinne wieder ein. Am Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 1,81 Prozent auf 12 296,55 Zähler, nachdem er am Dienstag noch zeitweise über die Marke von 12 600 Punkte geklettert war. Vorsichtig wurden die Anleger zudem, da auch die Wall Street mit Verlusten zum Handelsauftakt erwartet wird.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gab am Nachmittag um 1,31 Prozent auf 25 827,20 Punkte nach. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,75 Prozent.

Gesundheitsexperten warnten eindringlich vor einer zweiten Viruswelle in Großbritannien. In einem vom "British Medical Journal" veröffentlichten Brief kritisierten sie zugleich die umfangreichen Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen in England, die am Tag zuvor bekanntgegeben worden waren. Zudem sprach Österreich nach dem massiven Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh eine Reisewarnung für Nordrhein-Westfalen aus.

"Die Lage bleibt angespannt. Nachrichten rund um Corona und auch zu den Zolldrohungen der USA überlagern die positiven Ifo-Daten", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Wie das Ifo-Institut am Vormittag bekannt gegeben hatte, hellte sich die Stimmung deutscher Unternehmen seit dem drastischen Einbruch in der Corona-Krise im Juni kräftig auf. Analysten hatten damit zwar gerechnet, waren aber mit Blick auf die vorgelegten Daten nicht ganz so optimistisch gewesen.

Im Dax gaben am Nachmittag nahezu alle 30 Werte nach. Unter ihnen ging die Wirecard-Aktie nach einer anfänglichen weiteren Erholung zuletzt wieder besonders steil auf Talfahrt. Das Papier des in einen Bilanzskandal verwickelten Zahlungsabwicklers sackte um 29 Prozent auf 12,11 Euro ab. Seit vergangenem Mittwoch ist der Kurs damit trotz der Erholung am Vortag um rund 88 Prozent eingebrochen.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen büßte 2,5 Prozent ein. Insidern zufolge hat der Autobauer ein Auge auf den mit der Wirtschaftsflaute ringenden Autovermieter Europcar geworfen. Eine Offerte werde erwogen, doch seien die Überlegungen noch in einem sehr frühen Stadium, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Mit plus 0,3 Prozent war das Infineon-Papier zugleich der stärkte Wert im Leitindex. Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan hatte die Aktie angesichts der rasanten Erholung der für den des Chiphersteller wichtigen Autobranche in China und den USA auf "Overweight" gehoben. Mit seinem neuen Kursziel von 28 Euro traut er dem Papier außerdem wieder Niveaus wie im Jahr 2002 zu.

Im MDax zählten die Anteilsscheine der Immobiliengesellschaft LEG mit minus 3,8 Prozent zu den Schlusslichtern. Eine millionenschwere Kapitalerhöhung und Wandelschuldverschreibungen belasteten. Mit den Erlösen will die LEG unter anderem die Übernahme von Wohneinheiten refinanzieren.

Außerhalb der Dax-Familie, bestehend aus dem Dax selbst sowie dem MDax, SDax und TecDax, zogen die Aktien des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor um 7,7 Prozent an. Angesichts einer hohen Nachfrage nach Computern in der Corona-Krise hatte sich das in Großbritannien ansässige Unternehmen optimistischer für die Geschäftsentwicklung in seinem zweiten und dritten Quartal gegeben.

Der Euro gab nach und kostete am Nachmittag 1,1277 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1318 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,44 Prozent am Vortag auf minus 0,43 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 144,90 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,14 Prozent auf 175,34 Punkte./ck/jha/

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -