FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax <DE0008469008> hat sich am Donnerstag nach einer trägen Eröffnung im Verlauf berappelt und die vielbeachtete Marke von 12 000 Punkten wieder überwunden. Am späten Vormittag notierte der Leitindex 0,66 Prozent im Plus bei 12 059,82 Punkten auf seinem Tageshoch. In den vergangenen drei Tagen hatte er bereits um fast 4 Prozent zugelegt. Neben dem derzeit vorherrschenden Zinsoptimismus kamen positive Impulse von neuen Konjunkturdaten. So erhielt die deutsche Industrie im April mehr Aufträge als erwartet.

Der MDax <DE0008467416>, in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, stieg um 0,19 Prozent auf 25 239,03 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es um 0,8 Prozent nach oben.

Am Donnerstag steht vor allem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Anlegerfokus. Ökonomen gehen einhellig davon aus, dass die EZB trotz des schwierigeren Wirtschaftsumfelds die Leitzinsen nicht antasten wird. Auch das Versprechen, den Leitzins mindestens bis zum Jahresende nicht anzuheben, dürften die Währungshüter erneuern. Erwartet wird jedoch, dass Notenbankchef Mario Draghi Einzelheiten zu den geplanten Langfristkrediten an die Banken verkünden wird.

Aus Branchensicht lag das Augenmerk nach der gescheiterten Fusion zwischen Fiat Chrysler <NL0010877643> (FCA) und Renault <FR0000131906> auf dem Autosektor. Vergangene Nacht hatte FCA sein Angebot "mit sofortiger Wirkung" überraschend zurückgezogen, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen. Fiat-Aktien verbilligten sich zuletzt um 0,4 Prozent, Renault-Anteilsscheine verloren 7,4 Prozent.

Herbe Einbußen musste am Donnerstag auch die Immobilienbranche hinnehmen, die unter Medienberichten über Pläne des Berliner Senats gegen den Mietanstieg litt. Vonovia <DE000A1ML7J1> rutschten am Dax-Ende um 2,3 Prozent ab, Deutsche Wohnen <DE000A0HN5C6> und LEG <DE000LEG1110> waren mit Verlusten von 5,0 beziehungsweise 1,7 Prozent die Schlusslichter im MDax. Ado Properties sackten am SDax-Ende um knapp 6 Prozent ab. Presseberichten zufolge will die Berliner Landesregierung die Wohnungsmieten ab 2020 für fünf Jahre einfrieren.

Die Aktien von RIB Software <DE000A0Z2XN6> <DE000A0Z2XN6> reagierten mit einem Plus von 2,0 Prozent auf die Übernahme von 60 Prozent am US-Unternehmen BSD für 42 Millionen Dollar. Dies sei die größte Investition in über 50 Jahren Unternehmensgeschichte, betonte der Bausoftware-Hersteller.

Die Befesa-Papiere <LU1704650164> gewannen 1,9 Prozent. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Finanzinvestor Triton beim Industrierecycling-Unternehmen komplett ausgestiegen ist. Nachdem die Beteiligungsgesellschaft ihre verbliebenen knapp 20 Prozent verkauft habe, sei endlich der Angebotsübergang verschwunden, kommentierte ein Händler. Das sei letztendlich positiv.

Scout24 <DE000A12DM80> stiegen um 0,7 Prozent. Der aktivistische Investor Paul Singer erhöhte über seinen Fonds Elliott seine Beteiligung am Onlineportalbetreiber. Er hält nun 7,49 Prozent der Anteile, nachdem er sich Ende Mai bereits 6 Prozent gesichert hatte. Der Betreiber von ImmobilienScout24 und AutoScout24 gilt als Übernahmekandidat.

Anstehende Veränderungen in der Zusammensetzung von MDax und SDax sorgten unter den betroffenen Aktien für größere Schwankungen. Wie die Deutsche Börse am Mittwochabend mitteilte, steigen die Papiere des IT-Leasingspezialisten Grenke <DE000A161N30> am 24. Juni in den MDax auf. Dafür verlassen die Titel von Wacker Chemie <DE000WCH8881> den Index der mittelgroßen Werte und sind künftig im Nebenwerte-Index SDax notiert. Zudem ersetzen im SDax die Aktien des Medizintechnik-Anbieters Eckert & Ziegler <DE0005659700> jene des Bahntechnik-Unternehmens Vossloh <DE0007667107>.

Die Anteilsscheine von Grenke notierten zuletzt 2,9 Prozent fester, während Wacker Chemie um 1,3 Prozent nachgaben. Eckert & Ziegler rückten um 4,1 Prozent vor, während Vossloh 3,1 Prozent an Wert verloren. Die Vossloh-Papiere setzen damit ihren Kursrutsch der vergangenen Monaten fort und notieren nun auf dem niedrigsten Niveau seit 2004./edh/fba

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---