FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwochnachmittag noch weiter ins Minus gerutscht. Am Vormittag hatten neue Inflationsprognosen für den Dreh nach unten gesorgt. Das Ifo-Institut rechnet in Deutschland für 2022 mit einer Inflation zwischen 5,1 und 6,1 Prozent. Das wäre die höchste Rate seit 1982. Auf die Stimmung drückten zudem Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, wonach "feindliche Staaten" Erdgas mit Rubel bezahlen sollten.

Der Dax notierte zuletzt 1,46 Prozent tiefer bei 14 261,43 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Börsenkonzerne verlor 1,07 Prozent auf 31 572,25 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um rund 1,6 Prozent.

"Die Marktteilnehmer scheinen zum Nachmittag hin nun doch noch die im Aktienmarkt vorhandenen Risiken zu erkennen", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect. Zum Handelsstart seien noch zaghafte Käufer in der Überzahl gewesen, mittlerweile aber von der Realität eingeholt worden. "Die Ukraine-Krise ist noch ungelöst. Die Anleiherenditen steigen und machen Aktienengagements im derzeitigen Umfeld uninteressanter. Die Inflationsdynamik nimmt zu und drückt auf die Kostenseite der Unternehmen. Von den Lieferkettenproblemen und dem Covid-Thema nicht gesprochen", so Lipkow.

Die Aktien von LPKF reagierten mit einem Kurseinbruch von 18,4 Prozent auf die Geschäftszahlen, den Ausblick und die gestrichene Dividende des Laserspezialisten. Die Geschäftsziele des Unternehmens seien sehr enttäuschend, kommentierte ein Händler am Morgen. "Wir sehen noch nicht die Erholung, die LPKF versprochen hat, als die Jahresziele für 2021 aufgrund von 'Umsatzverschiebungen' gesenkt wurden."

Die in den vergangenen Monaten arg gebeutelten Titel von Auto1 büßten trotz besser als erwarteter Zahlen weitere 17,5 Prozent ein und erreichten ein weiteres Rekordtief. Der Ausblick auf 2022 dürfte die Markterwartungen dämpfen, schrieb Analyst Adam Berlin von der Schweizer Bank UBS in einer ersten Einschätzung.

Nach der jüngsten Erholung kamen die Papiere von Delivery Hero mit minus 7,5 Prozent wieder deutlich unter die Räder. Mit einem Verlust von über 60 Prozent sind sie schwächster Wert der Dax-Familie im laufenden Jahr.

Die Anteilsscheine der Indus Holding sanken um 2,6 Prozent. Die Beteiligungsgesellschaft zeigt sich vorsichtig für die Entwicklung des laufenden Geschäftsjahres. "Vor dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges haben wir für das Jahr 2022 eine weitere Normalisierung der Geschäfte unserer Portfoliounternehmen erwartet", erklärte Konzernchef Johannes Schmidt. Die wirtschaftliche Dynamik sei aktuell noch intakt.

Der Euro fiel und kostete zuletzt 1,0981 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1024 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9071 Euro gekostet.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,34 Prozent am Vortag auf 0,33 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,10 Prozent auf 139,56 Punkte.Der Bund-Future gewann 0,21 Prozent auf 159,73 Zähler./edh/eas

- Von Eduard Holetic, dpa-AFX -