FRANKFURT (dpa-AFX) - Triste Exportdaten aus Japan und enttäuschende Quartalszahlen von SAP <DE0007164600> haben am Donnerstag die Stimmung der Anleger getrübt. Zum Nachmittag gab der deutsche Leitindex Dax <DE0008469008> um 0,61 Prozent auf 12 265,98 Punkte nach. Der MDax <DE0008467416> für mittelgroße Werte sank um 0,68 Prozent auf 25 754,25 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> gab um 0,28 Prozent nach.

"Nun ist die Sorge vor einem nachlassenden Wirtschaftswachstum wieder präsent", schrieb Marktbeobachter Christian Henke vom Broker IG. "Die Anleger halten sich weiterhin mit Engagements zurück. Die Sommerflaute ist deutlich zu spüren."

Auch auf wirtschaftspolitischer Ebene hat sich in den bestehenden Konflikten bislang wenig getan. Weder zeichnet sich Entspannung im Streit um das Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran ab noch ist klar, wie es beim Handelsstreit zwischen den USA und China weitergeht. Letztere Angelegenheit hat denn auch den japanischen Exporten einen Dämpfer verpasst.

Die Aussicht auf eine bevorstehende Zinssenkung durch die US-Notenbank hatte immerhin zuletzt für immer neue Höhenflüge vor allem an den US-Börsen gesorgt. Auf die Stimmung drücken nun jedoch unter anderem schwache Quartalsergebnisse von IBM <US4592001014> und Netflix <US64110L1061>.

Der Streaming-Riese Netflix enttäuschte im jüngsten Geschäftsquartal mit seinem unerwartet geringen Abonnenten-Zuwachs und stürzte an der Börse vor Handelsbeginn um fast 11 Prozent ab. Die US-Bank Morgan Stanley <US6174464486> erlitt durch die aktuelle Handelsflaute sinkende Erträge und stand vorbörslich mit 1,3 Prozent im Minus. Wie es im US-Tech-Markt weitergeht, wird sich am Donnerstagabend anhand neuer Zahlen von Microsoft <US5949181045> zeigen.

Hierzulande häufen sich indes weiter die Gewinnwarnungen. Nachdem BASF <DE000BASF111> und Daimler <DE0007100000> bereits in der vergangenen Woche mit Blick auf ihre Jahresziele zurückgerudert waren, gesellte sich am Dienstag erst noch der Chemikalienhändler Brenntag <DE000A1DAHH0> und am Donnerstagabend Heidelberger Druck <DE0007314007> dazu.

Der zuletzt maue Geschäftsverlauf bei dem Druckmaschinenhersteller habe unter dem Einfluss zunehmender Investitionszurückhaltung und einer entsprechenden Umsatzverschiebung gestanden, hieß es. Zum Nachmittag landete die Aktie mit einem Minus von 15,44 Prozent und einem Preis von 1,13 Euro weit abgeschlagen auf dem letzten Platz im SDax <DE0009653386> für kleine Werte. Die Aktie ist damit nicht mehr weit vom Pennystock-Dasein entfernt.

Bei Europas größtem Softwareanbieter SAP schmälerten höhere Ausgaben für ein laufendes Abfindungsprogramm und die aktienbasierte Vergütung den Gewinn im zweiten Quartal. Unterm Strich ging das Ergebnis des schwersten Dax-Wertes kräftig zurück. Der Umsatz kletterte aber deutlich. Die Prognosen bestätigte der Konzern. Die Aktie verlor zum Nachmittag 6,48 Prozent. Damit blieb sie größter Verlierer im Dax.

Ebenfalls weiter hinten landeten die Papiere des Zahlungsdienstleisters Wirecard <DE0007472060>. Abgesehen von der generellen Zurückhaltung im Tech-Bereich verwies ein Händler auch auf die jüngsten Netflix-Zahlen. "Weniger Kunden bedeuten auch weniger Online-Zahlungen", sagte der Händler.

Neue Umsatzzahlen von Zooplus <DE0005111702> sorgten zudem für einen Rücksetzer im Aktienkurs des Tierbedarfshändlers. Mit einem Kursverlust von 1,34 Prozent kosteten sie zuletzt nur noch 118 Euro. So günstig waren sie zuletzt Mitte Juni. Der Umsatz von Zooplus sei im zweiten Quartal etwas hinter den Markterwartungen zurückgeblieben, schrieb ein Analyst von der Baader Bank. Grundsätzlich sei der Zwischenbericht jedoch überzeugend gewesen.

Im MDax verloren die Titel von Hochtief <DE0006070006> zuletzt mehr als 9 Prozent. Hier schürte eine Gewinnwarnung eines US-amerikanischen Baumaschinenverleihers Sorgen, dass die gesamte Branche aktuell einen schwierigen Stand haben könnte.

Zudem ging es bei 1&1 Drillisch <DE0005545503> nach einer negativen Einschätzung der australischen Investmentbank Macquarie um 6,45 Prozent nach unten. Der mögliche Aufbau eines vierten Mobilfunknetzes in Deutschland durch die United-Internet-Tochter könnte die Renditen aller Anbieter beeinträchtigen, schrieb Analyst Guy Peddy in einer am Mittwochabend vorliegenden Branchenstudie.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,33 Prozent auf minus 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,14 Prozent auf 144,97 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gewann 0,16 Prozent auf 173,35 Punkte dazu.

Der Euro <EU0009652759> kostete zuletzt 1,1216 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1215 (Dienstag: 1,1223) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8917 Euro gekostet./kro/jha/

--- Von Karolin Rothbart, dpa-AFX ---