FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Donnerstag Gewinne mitgenommen. Nach der jüngsten Erholungsrally ging am Nachmittag mit wachsendem Druck abwärts. Der Leitindex büßte zuletzt 1,42 Prozent auf 13 029,42 Punkte ein. Damit legte er im bisherigen Wochenverlauf um 4,4 Prozent zu, auch wenn die Hürde von 13 300 Punkten nicht genommen werde konnte. Dieser hatte sich das Börsenbarometer am Montag zeitweise deutlich genähert. Seit Ende Oktober beläuft sich das Plus im Dax nun auf knapp 13 Prozent.

Der MDax , der an diesem Donnerstag zeitweise sein Niveau vor der dem Corona-Börsencrash zurückeroberte, gab zuletzt um 0,45 Prozent auf 28 281,31 Zähler nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,25 Prozent.

"Ein Mangel an positiven Impulsen und schwach erwartete US-Börsen lassen Investoren Gewinne mitnehmen", erklärte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Nach den hohen Gewinnen in den vergangenen Handelstagen und kurz vor dem Wochenende sei diese Tendenz jedoch "durchaus nachvollziehbar". Eine Konsolidierung bis in die Region bei 12 750 Punkten hält Lipkow nun durchaus für möglich.

Schwungvoll ging es indes inmitten der Berichtssaison weiter. Allein aus dem Dax informierten der Energiekonzern RWE, die Deutsche Telekom, Siemens und der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck über ihr abgelaufenes Quartal.

Wie RWE berichtete, machte sich die Corona-Krise in seinen Geschäften bisher kaum bemerkbar. Zwar verschiebt sich die Inbetriebnahme einiger Anlagen ins nächste Jahr, wirtschaftlich läuft es aber weiter gut. Die Prognose für 2020 wurde daher bekräftigt. Die Aktie legte um 0,7 Prozent zu.

Für die T-Aktie ging es um 0,4 Prozent nach oben. Der Bonner Telekomkonzern hob seine Ziele nach einer guten Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten deutlich an. Das überraschte allerdings nicht ganz, da die wichtige Tochter T-Mobile US bereits sehr starke Zahlen vorgelegt hatte.

Trotz der Corona-Pandemie wurde auch der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA nochmals optimistischer für das Gesamtjahr, was die Papiere zunächst steigen ließ. Zuletzt jedoch büßten sie 1,1 Prozent ein.

Die Siemens-Aktie indes blieb Schlusslicht im Leitindex mit minus 3,6 Prozent. Analysten sprachen von einer durchwachsenen Bilanz des Technologiekonzerns und einem enttäuschenden Ausblick auf das neue Geschäftsjahr 2020/21.

Im MDax und SDax legten ebenfalls zahlreiche Unternehmen ihre Quartalsberichte vor. Besonders ragten dort etwa die Papiere des Außenwerbespezialisten Ströer hervor, die zeitweise bei etwas unter 80 Euro ein Rekordhoch erreicht hatten. Zuletzt legten sie nur noch um 7,0 Prozent auf 73,90 Euro zu. Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan hob nach den Zahlen sein Anlageurteil auf "Overweight" und sprach von einem starken Quartal. Er erwartet nun wieder eine "starke strukturelle Wachstumsstory".

Am Ende des Kurszettels büßten dagegen die Varta-Aktien 4,7 Prozent ein. Dank des Booms für Kopfhörer-Akkus ist der Konzern zwar für 2020 erneut optimistischer geworden, erste Signale für das kommende Jahr bezeichnete die Commerzbank indes als enttäuschend. K+S sackten um 4,5 Prozent ab. Der Düngerhersteller enttäuschte mit weiter schwachen Geschäften.

Im Nebenwerte-Index SDax war die Aktie von SMA Solar mit etwas mehr als 12 Prozent der Favorit. Der Solartechnikkonzern blieb trotz Corona-Krise auf Erholungskurs und profitierte weiter von seiner breiteren Aufstellung und dem Fokus auf margenstärkere Geschäfte.

Das Papier des Online-Modehändlers Global Fashion profitierte mit plus 9,2 Prozent von einem bisher stark verlaufenen vierten Quartal und einem daher optimistischeren Blick auf das Gesamtjahr.

5,5 Prozent indes büßten die Anteilsschein von Bilfinger ein. Die Corona-Pandemie und der Ölpreisverfall setzten dem Industriedienstleister auch im dritten Quartal zu. Unter dem Strich stand erneut ein Verlust.

Der Euro übersprang zwischenzeitlich die Marke von 1,18 US-Dollar und kostete am frühen Nachmittag dann 1,1796 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1766 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,50 Prozent am Vortag auf minus 0,51 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,05 Prozent auf 145,68 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,03 Prozent auf 174,52 Punkte zu./ck/mis

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -