FRANKFURT (dpa-AFX) - Die laufende Zinsrally hat den Dax am Donnerstag im Feiertagshandel mit 12 438 Punkten auf einen neuen Höchststand seit September vergangenen Jahres getragen. Nach der Europäischen Zentralbank am Dienstag hatte nun auch die Fed in den USA die Anlegerhoffnungen auf neue Zinssenkungen untermauert. Die Wall Street steuert ebenfalls auf ihren Höchststand zu.

Der Dax lag am Nachmittag noch mit 0,84 Prozent im Plus bei 12 411,46 Punkten. Seit den Signalen des EZB-Präsidenten Mario Draghi vor zwei Tagen schoss er damit um 3,5 Prozent nach oben.

Die Fed dürfte nun im Juli mit der Lockerung beginnen und sie immer schneller ausweiten, sollten sich die Wirtschaftsdaten im aktuellen Tempo eintrüben, erklärte Salman Ahmed, Investmentstratege der Vermögensverwaltung der Schweizer Privatbank Lombard Odier. Gemeinsam mit der EZB öffnen nun die zwei wichtigsten Notenbanken wieder die Geldschleusen, was die Anleiherenditen auf breiter Front unter Druck halten dürfte, bis die Inflation anziehe.

Damit sind Aktien bei den Anlegern zunächst erste Wahl. Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank erinnert nach den Notenbankhighlights aber bereits an das G20-Treffen Ende des Monats mit dem erwarteten Zusammentreffen der Handelskonflikt-Gegner, dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem chinesischen Pendant Xi Jinping. "Es bleibt also auch an den Börsen weiter heiß", so Lipkow.

Der MDax <DE0008467416>, in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, gewann an Fronleichnam 0,84 Prozent auf 25 719,46 Punkte. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone legte 0,75 Prozent zu.

Infineon setzten ihre Erholung vom jüngsten Dreijahrestief fort und erklommen mit plus 3,3 Prozent die Dax-Spitze. SAP <DE0007164600> gewannen nach guten Geschäftszahlen des Wettbewerbers Oracle 1,9 Prozent und schafften ein weiteres Rekordhoch. Die Aktien des Dialysespezialisten FMC <DE0005785802> stiegen nach einer Empfehlung der britischen Barclays Bank um 1,4 Prozent. Die Sorgen am Markt über die Nachhaltigkeit des Wachstums seien wohl übertrieben, schrieb Analyst Hassan Al-Wakeel.

Im MDax schossen die Papiere des Essenslieferanten Delivery Hero <DE000A2E4K43> nach Aufstockung ihrer Umsatzziele zeitweise um fast 16 Prozent nach oben, wovon aktuell rund 10 Prozent verblieben. Rocket Internet <DE000A12UKK6> kletterten um rund 8 Prozent. Der Internet-Investor Oliver Samwer arbeitet laut einem Bericht des "Manager Magazin" an einem Plan zum Rückzug seiner Start-up-Holding.

Es gab in der Zinseuphorie aber auch Verlierer - allen voran Bankaktien, die bei Niedrigzinsen unter schwachen Erträgen leiden. Papiere der Deutschen Bank sanken als schwächster Dax-Wert um fast 2 Prozent, auch weil neuer rechtlicher Ärger in den USA droht. Die US-Justizbehörden gehen der "New York Times" zufolge einem Verdacht wegen möglicher Verstöße gegen Anti-Geldwäschegesetze nach. Commerzbank sanken um fast 3 Prozent. Das Analysehaus Jefferies kappte das Kursziel - unter anderem wegen gesunkener Aussichten für eine "Zinserlösung".

Auch die zuletzt unter politischen Druck geratenen Immobilienwerte laufen weiter hinterher. Analyst Jonathan Kownator von der Investmentbank Goldman Sachs kappte angesichts des in Berlin drohenden Mietdeckels seine Kursziele und strich zudem Vonovia von der Favoritenliste. Der Experte sieht ein gewisses Risiko für ähnliche Debatten auf nationaler Ebene. Vonovia verloren im Dax knapp 1,5 Prozent.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein weiteres Rekordtief von minus 0,35 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,01 Prozent auf 144,69 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> verharrte bei 172,53 Punkte.

Ein Euro <EU0009652759> stieg kräftig auf 1,1299 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch auf 1,1207 Dollar festgesetzt./ag/mis