FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach zuletzt kräftigen Kurszuwächsen hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Anleger nahmen nach der Rally zur Wochenmitte erste Gewinne mit. Der Dax war am Morgen kurzzeitig noch über die Marke von 14 500 Punkten geklettert, dann aber zurückgefallen. Gegen Mittag stand der deutsche Leitindex mit 0,34 Prozent im Minus bei 14 392,31 Punkten.

Tags zuvor hatten die starken Börsen in Fernost und den USA sowie Hoffnungen auf eine Annäherung im Ukraine-Krieg dem Dax ein Plus von fast 3,8 Prozent beschert. Zudem schaffte am Vorabend die US-Notenbank aufgrund der hohen Inflation erwartungsgemäß Fakten in der Zinswende und erhöhte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. An diesem Handelstag dürfte auch die Bank of England mit einer weiteren Zinserhöhung folgen.

Auch in der zweiten Börsenreihe hielten die anfänglichen Kursgewinne am Donnerstag nicht lange stand. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen hielt sich mit plus 0,07 Prozent auf 31 389,50 aber besser als der Dax. Auf europäischer Ebene ging es für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 um 0,15 Prozent auf 14 593,39 Punkte nach oben.

Maßgeblich für den Markt ist nun das weitere Tempo der Zinswende, denn die Entscheider der Fed haben eine schnellere Straffung ihrer bisher ultralockeren Geldpolitik signalisiert. Thomas Altmann, Portfoliomanager von QC Partners, sieht die Anleger aber gelassen reagieren: "Der Glaube an die Stärke der US-Wirtschaft wiegt schwerer als die Angst vor noch schneller steigenden Zinsen", so der Experte.

Von ukrainischer Seite wurden die Aussichten auf eine baldige Friedenslösung mit Russland zuletzt wieder gedämpft. In einem emotionalen Appell forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zudem in einer Videoansprache an den Bundestag mehr Hilfe von Deutschland.

Die Ölpreise, die in der Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts zwischenzeitig eingebrochen waren, zogen am Donnerstag wieder kräftig an. Europaweit standen daraufhin Ölwerte ganz oben auf dem Branchentableau.

Hierzulande stachen bei den Einzelwerten Aktien von Thyssenkrupp mit einem Minus von mehr als elf Prozent am MDax-Ende heraus. Der Industriekonzern hat wegen des Ukraine-Kriegs seine Prognose für den freien Barmittelzufluss für das Geschäftsjahr 2021/2022 ausgesetzt.

Aktien des ehemals unter Beschuss von Leerverkäufern geratenen Leasingspezialisten Grenke machten nach der Zahlenvorlage einen Satz nach vorn um fast 15 Prozent. Warburg-Analyst Marius Fuhrberg sprach in einer ersten Reaktion von einem "bullischen Ausblick" mit Zuversicht für 2022 und noch ambitionierteren Zielen für 2024.

Ein enttäuschender Ausblick beendete dagegen die jüngste Kurserholung bei SAF-Holland . Der Krieg und die hohen Rohstoffpreise überschatten die Aussichten des Nutzfahrzeugzulieferers. Die Papiere brachen um fast 14 Prozent ein.

Nach zunächst schwieriger Richtungssuche pendelten sich Morphosys-Papiere bei mehr als ein Prozent Plus ein. Das Biotechunternehmen war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht, angesichts kürzlich veröffentlichter hoher Abschreibungen im Zuge einer Übernahme zeigten sich Analysten davon aber nicht sonderlich überrascht./tav/mis

- Von Tanja Vedder, dpa-AFX -