FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Montag zwischen Gewinnen und Verlusten gependelt. Am Nachmittag verlor der Leitindex dann 0,47 Prozent auf 12 272,81 Zähler und gab damit wieder einen kleinen Teil der Kursgewinne von drei Prozent aus der vergangenen Woche ab.

Die Richtungssuche gehe weiter, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Aktuell sei er von seinem im Juni erreichten jüngsten Hoch genau so weit entfernt wie von seinem jüngsten Tief. Für die Anleger sei daher nicht klar zu erkennen, wohin die Reise weiter gehen werde. "Für die Anleger ist die aktuelle Situation ein Dilemma. Einerseits wollen sie bei möglichen Kursanstiegen dabei sein, andererseits haben sie Angst, dass der Markt noch einmal nach unten wegbrechen könnte."

Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte sank zuletzt 0,73 Prozent auf 26 053,11 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,55 Prozent nach.

Erneut zogen am deutschen Markt die Aktien von Wirecard alle Aufmerksamkeit auf sich, obwohl der Dax mit dem Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen ein neues Mitglied hat. Der Bilanzskandal um den Zahlungsabwickler und dessen neuerlicher Kurssturz ist für den Index, der die erste Börsenliga deutscher Unternehmen widerspiegelt, in dieser Art ein Novum. Die Wirecard-Papiere brachen um weitere knapp 37 Prozent ein, nachdem sie am vergangenen Donnerstag und Freitag bereits um 75 Prozent abgesackt waren.

Der Bezahldienstleister steht inzwischen am Abgrund. Seine Zukunft hängt vom Wohlwollen der Banken ab, denn die vermissten 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien gibt es mit ziemlicher Sicherheit nicht. Und so bekommt Wirecard auch kein Testat für die Jahreszahlen 2019. Die Einschätzungen zu 2019 sowie zum ersten Quartal und auch die Prognosen für 2025 nahm der Konzern zurück. Die Ratingagentur Moody's zog nun ihr erst am späten Freitagabend gesenktes Bonitätsurteil "Ramsch" komplett zurück. Die vorliegenden Informationen seien unzureichend, um überhaupt eine Bewertung über die Kreditwürdigkeit abzugeben, hieß es.

Kreditgebenden Banken wie etwa der Commerzbank könnten womöglich Abschreibungen drohen, hieß es zudem am Markt. Fallen gelassen werden soll Wirecard aber nicht, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete. "Keiner hat ein Interesse daran, den Kredit zu kündigen", hieß es am Samstag aus einem der beteiligten Geldhäuser. Die Papiere der Deutschen Bank gaben um 0,9 Prozent nach und die der Commerzbank um 0,7 Prozent.

Die Anteilsscheine der Deutsche Wohnen legten an ihrem ersten Tag im Dax um 1,0 Prozent zu, während die Aktien der Lufthansa an ihrem ersten Tag im MDax um 2,5 Prozent nachgaben. Zeitweise waren sie am Morgen sogar um rund 9 Prozent abgesackt. Am Gelingen der Rettung der in der Coronoa-Krise unter die Räder gekommenen Fluggesellschaft gibt es Zweifel. Das neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket wackelt. Drei Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung blieb die Strategie des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele unklar. Auch in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Sparbeiträge der Beschäftigten zeichnete sich noch keine Einigung ab.

Dagegen erreichten die Anteilsscheine des Aromen- und Duftstoffherstellers Symrise am Morgen ein neues Rekordhoch bei 100,70 Euro. Delivery Hero kletterten zuletzt um 0,9 Prozent auf 91,10 Euro und befanden sich damit nur knapp unter ihrem erst kürzlich erreichten Höchststand von 92,20 Euro. Beide werden als Nachfolger für Wirecard gehandelt, sobald dessen Aktie - wohl spätestens im September - aus dem Dax genommen werden dürfte.

Mit einem Plus von 2,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 84,05 Euro stiegen zudem auch die Aktien des Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer , die seit diesem Montag Mitglied im Stoxx Europe 600 sind. Die Anteilsscheine des Kochboxen-Lieferanten Hellofresh machten einen Sprung um knapp 6 Prozent nach oben und erreichten ebenfalls eine neue Bestmarke.

Um 1,6 Prozent abwärts ging es zugleich für ProSiebenSat.1 . Der Sender Sat.1 erwarb bei der Auktion der Fußball-Bundesliga überraschend ein Live-Rechtepaket.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,43 Prozent am Freitag auf minus 0,44 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 144,92 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,25 Prozent auf 176,10 Zähler.

Am Devisenmarkt legte der Euro in einem überwiegend ruhigen Umfeld auf 1,1215 US-Dollar zu. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1210 Dollar festgesetzt./ck/jha/

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -