FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kursgewinne des Dax zum Hexensabbat angesichts des fortgesetzten Kursdramas bei Wirecard in den Hintergrund gerückt. Wegen des weiterhin ungelösten Bilanzskandals um den Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München und immer mehr aufkommender Liquiditätssorgen setzten dessen Aktien ihre Sinkflug am Freitag fort fort. Nach dem Vortages-Kurseinbruch um fast 62 Prozent nach abermaliger Verschiebung des Jahresabschlusses für 2019 stürzten die Papiere des Zahlungsabwicklers erneut ab, zeitweise um mehr als 50 Prozent auf unter 20 Euro.

Sollte Wirecard auch an diesem Freitag keinen testierten Abschluss präsentieren, droht die Kündigung von Krediten in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro. Am Nachmittag teilte Wirecard mit, man befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit den kreditgebenden Banken. Das Kursminus belief sich zuletzt noch auf 32 Prozent. Konzernchef Markus Braun trat inzwischen zurück.

Größere Spuren beim Dax hinterließ der Kurseinbruch von Wirecard angesichts einer eher geringen Gewichtung im Index nicht. Der deutsche Leitindex gewann zuletzt denn auch 1,16 Prozent auf 12 424,18 Zähler. Auf Wochensicht steuert er damit auf ein Plus von vier Prozent zu. Hoffnungen auf weitere Konjunkturhilfen und die Rückendeckung der Notenbanken für die Finanzmärkte gelten als Hauptgründe für den erfolgreichen Wochenverlauf.

Am Freitagmittag waren zunächst Terminkontrakte auf die großen Aktienindizes ausgelaufen, wie die auf den Dax und den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 , gegen Handelsschluss laufen dann noch die Kontrakte auf Einzelaktien aus. Vor diesem auch großer Verfall genannten Termin versuchen Anleger, die Kurse in die für sie vorteilhafte Richtung zu bewegen. Das führt immer mal wieder vorher zu teils hektischen Kursbewegungen.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte rückte am Freitagnachmittag um 0,44 Prozent auf 26 315,93 Punkte vor. Der EuroStoxx 50 gewann 1,4 Prozent.

Die Lufthansa hat an diesem Freitag ihren zunächst letzten Handelstag im Dax. In Folge des massiven Kurseinbruchs in der Corona-Krise steigen sie in den kleinen Bruder MDax ab und werden im Leitindex durch Deutsche Wohnen ersetzt.

Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der neuerdings 15 Prozent an der Fluggesellschaft hält und sich gegen das staatliche Rettungspaket für die Airline wehrt, besorgte sich vor der in der kommenden Woche anstehenden außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa zum Staatseinstieg frisches Geld. Der Mehrheitseigentümer von Knorr-Bremse , die KB Holding von Thiele, platzierte rund acht Millionen Aktien. Knorr-Bremse-Aktien sanken um mehr als drei Prozent, Lufthansa stiegen um gut zwei Prozent.

An der Dax-Spitze rückten SAP mit einem Plus von gut drei Prozent wieder näher an ihr im Februar erreichtes Rekordhoch bei 129,60 Euro heran. Seit ihrem Corona-Krisentief von Mitte März haben die Aktien des Softwarekonzerns 51 Prozent gewonnen.

Die Aktien des IT-Systemanbieters Cancom sackten am MDax-Ende um mehr als viereinhalb Prozent ab. Mainfirst strich sie nach ihrem jüngst guten Lauf von der "German Best Ideas" Liste und kassierte die Kaufempfehlung. Am Vortag waren sie zunächst nach Quartalszahlen in Richtung Rekordhoch gestiegen, dann aber deutlich tiefer aus dem Handel gegangen.

Der Euro wurde am Nachmittag wenig verändert mit 1,1212 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1222 (Mittwoch: 1,1232) Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,41 Prozent am Vortag auf minus 0,43 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 144,84 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,08 Prozent auf 175,53 Punkte./ajx/mis

- Von Achim Jüngling, dpa-AFX -