FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich zur Wochenmitte von seiner Vortagesschwäche im Zuge der Apple-Warnung <US0378331005> schnell erholt. Am Nachmittag stieg der Leitindex Dax <DE0008469008> um 0,55 Prozent auf 13 756,46 Punkte. Damit ist seine Bestmarke bei 13 795 Punkten vom Wochenbeginn wieder in Schlagdistanz. Nach Jahreszahlen lieferten die Aktien der Deutschen Telekom <DE0005557508> und Covestro <DE0006062144> mit hohem Kurszuwachs positive Impulse.

Analyst David Madden von CMC Markets UK wies auf die offensichtlich weniger stark steigende Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hin, was ein positives Zeichen sei. Auch scheine ein Großteil der Beschäftigten in China ihre Arbeit nach und nach wieder aufzunehmen. Den Börsen insgesamt half am Mittwoch auch, dass China laut Kreisen seinen vom Coronavirus gebeutelten Fluggesellschaften unter die Arme greifen will und somit versucht, größere wirtschaftliche Schäden abzuwenden.

Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank mahnte jedoch zur Vorsicht: Auch wenn Unternehmen wie am Mittwoch Adidas <DE000A1EWWW0> oder zuvor Apple vor den Auswirkungen des Coronavirus gewarnt hätten, sähen die institutionellen Investoren derzeit die Märkte eher durch die rosarote Brille und am Konjunkturhorizont den Silberstreif, kommentierte Lipkow.

Dem MDax <DE0008467416> gelang im Vormittagshandel ein Rekordhoch. Zuletzt verbuchte der Index der mittelgroßen deutschen Börsenwerte ein Plus von 0,76 Prozent auf 29 279,83 Punkte. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitbarometer der Eurozone gewann 0,55 Prozent.

An der Dax-Spitze gewannen die Aktien der Deutschen Telekom mehr als 4 Prozent. Solide Resultate und ein überraschend stark erwarteter Barmittelfluss im laufenden Jahr überzeugten die Anleger. Immerhin ist der freie Barmittelfluss eine wichtige Kenngröße, wenn es um die künftigen Dividenden geht.

Die Anteile des Chemiekonzerns Covestro rückten um gut 3 Prozent vor. Ein Händler wertete die Dividende von 2,40 Euro je Aktie als starkes Zeichen. Sie bleibt stabil. Der Ausblick sei nicht unbedingt gut, aber auch kein Schock. Der Kunststoffspezialist tritt in einem weiter schwierigen Umfeld noch stärker auf die Kostenbremse. Der seit Anfang November laufende übergeordnete Abwärtstrend der Covestro-Titel scheint erst einmal gestoppt.

Nur für einen kurzen Schrecken und Kursverluste sorgten am Vormittag Aussagen von Adidas zu den Geschäften in China. Ein zuletzt deutlicher Rückgang der Aktivitäten in dem wichtigen Absatzmarkt wegen des Coronavirus drückte die Papiere zeitweise um mehr als 3 Prozent nach unten. Zuversichtliche Aussagen vom Rivalen Puma zum laufenden Geschäftsjahr trotz des Coronavirus hellten dann aber auch bei Adidas die Stimmung der Anleger wieder auf. Der Adidas-Kurs stieg zuletzt um mehr als 2 Prozent. Für Puma ging es als Top-Wert im MDax sogar um nahezu 8 Prozent hoch.

Die Aktien des Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer <DE000A0LD6E6> rutschten nach Zahlen und Ausblick um knapp 2 Prozent ab. Gerresheimer habe zum Jahresschluss geschwächelt, schrieb Analyst Aliaksandr Halitsa von Hauck & Aufhäuser. Auch der Ausblick scheine wenig inspirierend.

Nach einer negativen Ergebnisprognose für das erste Quartal wegen des Coronavirus brachen die Papiere von Adva <DE0005103006> Optical Networking <DE0005103006> am SDax-Ende <DE0009653386> um rund 10 Prozent ein. Die Commerzbank stufte die Titel nach der Warnung von "Buy" auf "Hold" ab. Die Unsicherheit sei aktuell zu groß, hieß es.

Dagegen zogen die Papiere von Sixt <DE0007231326> deutlich an. Grund war eine Meldung, wonach der Autovermieter über einen endgültigen Verkauf seiner 2015 an die Börse gebrachten Tochter Sixt Leasing <DE000A0DPRE6> verhandelt. Unter den größten Favoriten im SDax gewannen sie zuletzt mehr als 5 Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,42 Prozent am Vortag auf minus 0,41 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> sank um 0,06 Prozent auf 144,83 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gab um 0,03 Prozent auf 174,41 Punkte zu.

Der Euro <EU0009652759> blieb unter Druck und fiel zeitweise auf ein neues Tief seit Frühjahr 2017. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,0793 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,0816 Dollar festgelegt./ajx/jha/

- Von Achim Jüngling, dpa-AFX -