FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Freitag auf Erholungskurs gegangen. Der Kursrutsch am Vortag hatte laut Beobachtern Schnäppchenjäger in den Markt gelockt. Davon profitierte der Leitindex zuletzt mit einem Aufschlag von 1,11 Prozent auf 12 845,17 Punkte. Auch der sich zuletzt abzeichnende positive Auftakt an der Wall Street und unerwartet starke US-Einzelhandelsumsätze stützten. Dass Großbritannien sich inzwischen auf einen harten Bruch mit der EU einstellt, tat der Aufwärtsbewegung im deutschen Leitindex dabei keinen Abbruch. Börsianer warnten gleichwohl, dass die Stimmung unter den Investoren angesichts der vielen politischen Unsicherheiten und der weiter steigenden Corona-Zahlen angegriffen sei.

Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel stieg um 1,13 Prozent auf 27 772,49 Zähler. Auch an Europas Börsen ging es wieder voran, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte zuletzt mit 1,28 Prozent im Plus bei 3233,47 Zählern.

Durch die aktuellen Kursgewinne steuert der Dax zwar auf ein versöhnliches Ende einer schwierigen Woche zu, doch die bisherige Bilanz für die fünf Handelstage ist aktuell negativ. Von Virus- und Konjunktur-Sorgen geplagte Anleger hatten das Börsenbarometer am Vortag deutlich einknicken lassen und unter die Marke von 13 000 Punkten geschickt. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, sprach von einer "Woche der Zurückhaltung". Die Dynamik der zweiten Corona-Welle habe auch die Börsianer überrascht.

Und die Lage bleibt fragil. Nach Einschätzung der Marktexperten der Hessischen Landesbank (Helaba) dürfte die Verunsicherung der Marktteilnehmer angesichts weiter steigender Corona-Fallzahlen und politischer Unwägbarkeiten wie der US-Präsidentschaftswahl, dem Ringen um das US-Hilfspaket und die Hängepartie beim Brexit erhöht bleiben.

Auf Unternehmensseite sorgten Thyssenkrupp für Schlagzeilen. Nach den hohen Kursverlusten hauchte eine Übernahmeofferte von Liberty Steel für die kriselnde Stahlsparte den Aktien des Essener Traditionskonzerns neues Leben ein. Die Papiere waren in der Spitze um nahezu ein Viertel angesprungen, zuletzt notierten sie noch um zwölf Prozent höher. Das nicht näher bezifferte Angebot des britischen Unternehmens ist nicht bindend, Thyssenkrupp will es nun prüfen.

Von der Übernahmefantasie profitierte auch Branchenwettbewerber Salzgitter mit einem Aufschlag von rund sechs Prozent; für die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co ging es um knapp fünf Prozent nach oben.

Im Dax verteidigten Daimler -Papiere seit dem Morgen ihren Spitzenplatz, die Anteile am Autobauer notierten zuletzt um nahezu fünf Prozent höher. Die Stuttgarter hatten die Anleger mit guten Nachrichten über einen unerwartet guten Verlauf des dritten Geschäftsquartals erfreut. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einer "hervorragenden" Entwicklung.

Auch die übrigen Autowerte erholten sich mit moderaten Gewinnen etwas von ihrem Vortages-Kursrutsch. Volkswagen -Vorzüge notierten nach Zuwächsen beim Absatz im September rund zwei Prozent höher. Continental -Papiere verteuerten sich nach einer Kaufempfehlung durch die britische Investmentbank HSBC um mehr als drei Prozent.

Hellofresh -Papiere schnellten auf ein Rekordhoch, der Kochboxenversender hatte zuvor seine Prognose angehoben. Das Unternehmen gilt als Corona-Krisengewinner und ist deshalb an der Börse gefragt. Seit dem Corona-Tief im März hat sich der Kurs der Papiere mehr als verdreifacht. Ebenfalls nach angehobenen Jahreszielen stachen zudem im SDax die Aktien von Tierbedarfshändler Zooplus mit einem Aufschlag von mehr als sieben Prozent hervor.

Der Euro legte zu und wurde zuletzt zu 1,1739 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1698 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt lag die Umlaufrendite stabil bei minus 0,62 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,01 Prozent auf 146,46 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,11 Prozent auf 176,02 Punkte vor./tav/mis

- Von Tanja Vedder, dpa-AFX -