FRANKFURT (dpa-AFX) - Die US-Inflationsdaten haben am Mittwoch die Erholung des Dax merklich gebremst. Die Teuerung in den USA fiel mit 8,3 Prozent höher als erwartet aus und dies gab den Anlegern wieder zu denken. Nachdem der Leitindex bis zu 1,5 Prozent gewonnen hatte, lag er zuletzt nur noch knapp mit 0,16 Prozent im Plus bei 13 556,52 Punkten.

Der MDax gewann am Nachmittag noch 0,50 Prozent auf 28 166,28 Zähler und der Eurozonen-Index EuroStoxx 50 legte noch 0,2 Prozent zu. In New York zeichneten sich für den Dow Jones Industrial und vor allem an der Nasdaq-Börse derweil wieder Verluste ab.

Die Inflationsdaten vom April zeugen weiterhin von hohem Inflationsdruck. Zwar hob die Helaba in einem ersten Kommentar hervor, dass der Anstieg im Vormonat deutlicher war und der Höhepunkt der Teuerung damit überschritten sein könnte. "Von Entspannung kann allerdings bei einer Jahresteuerungsrate von über 8 Prozent noch nicht gesprochen werden", sagte Experte Ulrich Wortberg von der Landesbank.

Zuvor hatte es ermutigende Signale aus China gegeben, die Analyst Pierre Veyret vom Broker ActivTrades vor den Inflationsdaten noch als Stütze ausmachte. Ein nachlassendes Corona-Infektionsgeschehen mache Hoffnung, dass die am Wachstum zehrenden Beschränkungen im Reich der Mitte gelockert werden. Wegen Chinas Rang als besonders wichtige Exportnation sorgen die Lockdowns derzeit global für viel Unsicherheit.

Auf Unternehmensseite erlebt Bayer einen herben Rückschlag im Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat. Die US-Regierung riet dem obersten Gericht von der Annahme eines wegweisenden Falls ab - mit möglicher Signalwirkung für viele weitere US-Klagen würde Bayer vor dem Supreme Court gewinnen. Dass die Richter den Fall annehmen, ist nun unwahrscheinlicher geworden. Die am Vortag noch von starken Zahlen beflügelten Papiere sackten um zehn Prozent ab.

Ansonsten füllte am Mittwoch die Berichtssaison der Unternehmen in Deutschland wieder die Agenda - mit Licht und Schatten. Im Dax gab es Zahlen von Continental , die am Markt mit einem Anstieg um drei Prozent quittiert wurden. Die Aktien folgten damit aber auch der europaweiten Branchenstärke. Die Titel von Porsche, Mercedes-Benz , Volkswagen und BMW gewannen ähnlich viel oder sogar mehr.

Laut Andreas Lipkow positionieren sich Investoren im Autosektor für wieder bessere Zeiten. "Der Sektor könnte schon jetzt boomen, wenn nicht die bekannten Lieferkettenstörungen und Inflationsrisiken latent wären", so der Comdirect-Experte.

Auch von Eon gab es Zahlen, hier drehten die Papiere nach schwachem Start mit 2,1 Prozent ins Plus. Der Barclays-Experte Peter Crampton hakt einen schwachen Jahresauftakt nun aber als Tiefpunkt ab und blickt optimistischer auf die kommenden Quartale. Seiner Ansicht nach sollten Anleger ihren Fokus auch mehr auf bestätigte Ziele legen.

Im MDax fielen die Aktien von Thyssenkrupp positiv auf mit einem Kurssprung um 10,5 Prozent und dem Sprung an die 50-Tage-Linie, die ein beliebter mittelfristiger Trend-Indikator ist. Der Stahl- und Industriekonzern schnitt im zweiten Geschäftsquartal besser ab als erwartet und erhöhte daraufhin die diesjährigen Prognosen für seine operativen Kennziffern.

Auf der anderen MDax-Seite tauchten dagegen die Aktien von K+S um 3,3 Prozent ab. Gute Zahlen halfen nicht, die Anleger für den Düngemittelkonzern neu zu begeistern. Seit Mitte April schon werden hier nach besonders gutem Lauf Gewinne mitgenommen. Siemens Energy erlitten außerdem einen Kursrutsch um 4,2 Prozent. Der Energietechnikkonzern wird für das laufende Geschäftsjahr vorsichtiger.

Noch gravierender war die Situation bei Evotec , hier verpuffte eine kräftige Vortagserholung mit einem Kurseinbruch um nun 12 Prozent. Nach der tags zuvor gemeldeten Ausweitung der Kooperation mit Bristol-Myers Squibb hatten sich einige Anleger vermutlich eine Erhöhung des Jahresausblicks gewünscht.

Auch im SDax gab es nach Zahlen unter anderem mit Jenoptik Verlierer. Anfangs gab es enorme Kursverluste wegen einer enttäuschenden Profitabilität, das Minus wurde dann aber auf zuletzt 2,9 Prozent relativiert. Zum größten Verlierer avancierte Bilfinger , die ihren Kursrutsch mit einem Abschlag von 10,7 Prozent ungebremst fortsetzten.

Der Euro kostete nach den Inflationsdaten 1,0515 Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0554 Dollar festgesetzt.

Am Anleihemarkt stieg der Rentenindex Rex um 0,50 Prozent auf 136,00 Punkte. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von 0,91 Prozent am Vortag auf 0,82 Prozent. Der Bund-Future gab um 0,37 Prozent auf 152,09 Zähler nach./tih/mis

- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX -