FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Dienstag nach zögerlichem Start für den Vorwärtsgang entschieden. Händler sprachen von der Erwartung einer weiter lockeren Geldpolitik in Europa, die durch geringer als erwartet ausgefallene Inflationsdaten geschürt worden seien. Der Leitindex Dax     arbeitete sich bis zum Mittag mit 0,55 Prozent ins Plus auf 9479,84 Punkte vor, der MDax hinkte mit minus 0,06 Prozent auf 16 556,19 Punkte hinterher. Der TecDax gewann 0,41 Prozent auf 1187,19 Punkte. Der EuroStoxx 50     legte 0,76 Prozent zu.

'Der Preisauftrieb in der Eurozone hat sich im Dezember auf 0,8 Prozent abgeschwächt und sich damit wieder weiter von der Zielgröße der Europäischen Zentralbank (EZB) von rund 2 Prozent entfernt', sagte Heinrich Bayer von der Postbank. Für Aktienstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital kehrten dadurch die Deflationssorgen in die Kapitalmärkte zurück. Das verstärke Druck auf die Währungshüter ihre Zinsen weiter zu senken oder sogar negative Zinsen wieder intensiver ins Gespräch zu bringen. Zudem sind die Konjunkturdaten aus Deutschland mit steigenden Einzelhandelsumsätzen und einem Rückgang der Arbeitslosenquote laut Siddiqi gut ausgefallen.

BANKEN RÜCKEN IN DEN VORDERGRUND

Finanzwerte rückten laut Händlern wegen der neu aufkeimenden Fantasie für eine weitere geldpolitische Lockerung positiv in den Fokus. Europaweit legte der Bankenindex mit einem durchschnittlichen Plus von 1,73 Prozent am stärksten zu, gefolgt vom Branchenindex der Versicherungswerte. Im Dax kletterte die Commerzbank-Aktie ( COMMERZBANK Aktie) mit plus 3,03 Prozent auf 12,06 Euro an die Spitze. Sie ist damit so teuer wie seit Mitte April nicht mehr. Die Papiere der Deutschen Bank ( DEUTSCHE BANK Aktie) verteuerten sich um 2,39 Prozent. Hinzu kommt eine positive Branchenstudie von Barclays als Unterstützung.

BASF-Papiere ( BASF Aktie) zogen um 2,88 Prozent an. Die Analysten der UBS hatten die Aktie des Chemiekonzerns auf 'Buy' hochgestuft und sie zudem auf eine Empfehlungsliste gesetzt. Ein Börsianer verwies zusätzlich auf positive politische Entwicklungen in Libyen, die dortige Probleme für den Konzern bei der Erdölförderung früher als bisher erwartet lösen könnten. Die Deutsche Bank hob unterdessen ihr Kursziel für Aktien des Autozulieferers Continental ( CONTINENTAL Aktie) von 155 auf 175 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Die Papiere strebten mit plus 1,05 Prozent wieder ihrem Rekordhoch entgegen.

Ohne neue Nachrichten rutschten dagegen die eher defensiv eingestuften Fresenius ( FRESENIUS SE Aktie) mit minus 1,19 Prozent ans Dax-Ende. Am Vortag hatten die Aktien des Medizinkonzerns noch ein Rekordhoch markiert. Die Papiere von Infineon ( INFINEON Aktie) ignorierten optimistische Äußerungen der Analysten von Barclays, die in einer Branchenstudie den Chiphersteller als Top-Pick bei den Technologie-Hardwareanbietern bezeichneten. Sie verloren 0,76 Prozent.

CELESIO VOR ENDE DER ANNAHMEFRIST UNTER DRUCK

Im MDax rutschten Celesio-Aktien ( CELESIO Aktie) um weitere 3,07 Prozent ab. Händler sprachen von Nervosität vor dem nahenden Ende der Annahmefrist. Der US-Konzern McKesson will den Pharmahändler übernehmen. Zudem sorgen Studien auch in diesem Index für größere Kursbewegung: Die Aktie des Modekonzerns Hugo Boss ( HUGO BOSS AG Aktie) verbilligten sich nach einer Abstufung der französischen Großbank Societe Generale um 1,47 Prozent. Zu den Favoriten zählten dagegen Tui-Papiere ( TUI Aktie) mit plus 2,47 Prozent nach Kurszielerhöhungen durch Morgan Stanley und die UBS.

Gestützt auf Übernahmefantasien knüpfte die Nordex-Aktie ( NORDEX Aktie) an ihren jüngsten Höhenflug an. Die gewann 6,70 Prozent auf 11,63 Euro. Im Gespräch mit dem 'Wall Street Journal Deutschland' hatte Unternehmenschef Jürgen Zeschky gesagt, der Windkraftanlagenbauer könnte zum Übernahmeziel chinesischer Konkurrenten werden. Papiere von Carl Zeiss Meditec ( CARL ZEISS MEDITEC Aktie) verloren dagegen nach vorläufigen Zahlen zum ersten Geschäftsquartal am Ende des Technologieindex 4,63 Prozent./fat/rum

--- Von Frederik Altmann, dpa-AFX ---