FRANKFURT (dpa-AFX) - Wieder aufgeflammte Konjunktursorgen haben die Dax -Anleger am Dienstag zu Gewinnmitnahmen animiert. Als Belastung hinzu kamen deutliche Kursverluste bei den Aktien von Bayer. Damit fiel der deutsche Leitindex bis zum Mittag um 1,44 Prozent auf 12 550,59 Punkte.

Das Börsenbarometer hatte nach dem Ausbruch über den Widerstand um die 12 500 Punkte in der letzten Woche am Montag noch an seinen positiven Trend angeknüpft und war weiter in Richtung des bisherigen Hochs nach dem Corona-Crash von 12 913 Punkten von Anfang Juni gestiegen. Treiber sind prinzipiell weiterhin die Geldschwemme der Notenbanken und die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die möglichen Folgen der zuletzt wieder rasanten Virusausbreitung aber schwelen als Belastungsfaktoren weiter im Hintergrund.

Der MDax verlor am Dienstag 1,13 Prozent auf 26 755,15 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 1,3 Prozent ein.

Ausgelöst wurden die jüngsten Konjunktursorgen durch tendenziell enttäuschende Daten zur deutschen Industrieproduktion. Diese hatte sich im Mai nicht so deutlich von dem scharfen Einbruch in der Corona-Krise erholt wie von Analysten erhofft.

"Die staatlichen Hilfsprogramme fruchten nicht so, wie es sich die Initiatoren im Vorfeld erhofft hatten", schrieb Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Der Schaden in der Realwirtschaft sei enorm und habe tiefe Spuren bei etlichen Unternehmen aus fast allen Branchen hinterlassen. Es werde sich zeigen müssen, auf welchem Kursniveau sich der Dax einpendeln könne.

Die Aktien des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer zählten mit einem Minus von knapp sechs Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Das mit der jüngsten Milliardeneinigung eigentlich abgehakt geglaubte Thema der US-Rechtsstreitigkeiten um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter ist plötzlich wieder in aller Munde. Der Bundesrichter Vince Chhabria, der einem Teil der Einigung bezogen auf mögliche künftige Erkrankungsfälle noch zustimmen muss, äußerte sich in einem Gerichtsdokument kritisch.

Am Dax-Ende fanden sich die sehr schwankungsanfälligen Anteilsscheine des nach einem Bilanzskandal ums Überleben kämpfenden Zahlungsdienstleisters Wirecard . Sie sackten um fast 13 Prozent ab. Angesichts der niedrigen Kursbasis fallen die prozentualen Kursschwankungen bei Wirecard mitunter heftig aus.

Im MDax bildeten die Anteilsscheine von Fraport mit einem Minus von fast vier Prozent das Schlusslicht. In einer aktuellen Sammlung von Anlagechancen in Europa rieten die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs explizit von den Papieren des von der Corona-Krise gebeutelten Flughafenbetreibers ab.

An der Spitze des Nebenwerteindex SDax profitierten die Jenoptik-Aktien von einem positiven Analystenkommentar der Commerzbank und gewannen mehr als vier Prozent. Mit der Übernahme von Trioptics ergänze der Technologiekonzern sein Produktportfolio, schrieb Analyst Michael Junghans. Der Anbieter von Mess- und Fertigungssystemen für optische Komponenten und Sensoren Trioptics agiere in einer von hohen Margen gekennzeichneten Marktnische. Der Zukauf dürfte unmittelbar wertsteigernd für Jenoptik, aber nicht gerade günstig gewesen sein. In den vergangenen Tagen hatten schon andere Analysten den Zukauf gelobt./la/jha/

- Von Lutz Alexander, dpa-AFX -