(neu: Schlusskurse)

PARIS/MAILAND (dpa-AFX) - Befreiungsschlag für die arg gebeutelten Aktien von Renault <FR0000131906> und Fiat Chrysler <NL0010877643> (FCA): Die vom italienisch-amerikanischen Autobauer vorgeschlagene Fusion mit dem französischen Rivalen trieb am Montag die Papiere beider Hersteller in die Höhe.

Renault schlossen als klarer Favorit im CAC 40 gut 12 Prozent höher bei 56,03 Euro. Fiat Chrysler gewannen rund 8 Prozent. Der europäische Autosektor <EU0009658681> war mit plus 1,43 Prozent der beste der Stoxx-600-Branchenübersicht, nachdem er kurz nach der Eröffnung sogar mit einem Aufschlag von mehr als 3 Prozent notierte hatte. Gegen den Trend fielen die Anteilscheine von PSA <FR0000121501> um mehr als 3 Prozent. Der Konzern war von Marktteilnehmern bisher ebenfalls als möglicher Kandidat für eine Kooperation mit Fiat Chrysler gesehen worden.

Mit ihren hohen Kursgewinnen stoppten Renault und Fiat Chrysler vorerst ihren seit Monaten laufenden übergeordneten Abwärtstrend, der die Aktien von Renault mit Kursen von zuletzt unter 50 Euro auf das Niveau von Oktober 2014 gedrückt hatte. Ähnlich das Bild bei den Fiat-Chrysler-Anteilen, die vergangene Woche mit Kursen unter 11,50 Euro auf den tiefsten Stand seit August 2017 abgesackt waren.

Fiat Chrysler schlägt vor, dass beide Unternehmensgruppen je die Hälfte an dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen halten sollen. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Renault bestätigte, den Vorschlag des italienischen-amerikanischen Konzerns erhalten zu haben.

Gerüchte über eine solche Kombination gibt es schon länger: Vor wenigen Wochen hieß es bereits in einem Medienbericht, dass Renault nach einer erhofften Fusion mit Nissan <JP3672400003> anschließend auf eine Übernahme von Fiat Chrysler schielen könnte. das Unternehmen würde zu den Franzosen gut passen, schrieb Analyst Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies.

Fiat Chrysler habe in den vergangenen Jahren kaum einen Automobilkonzern auf der Suche nach Kooperationen, Allianzen oder einer Fusion ausgelassen, schrieb Analyst Frank Schwope von der NordLB. Eher hätte man vielleicht noch mit einer engeren Zusammenarbeit mit PSA rechnen können. Der Fusionsvorschlag von Fiat Chrysler klinge bereits sehr konkret, es sei kaum vorstellbar, dass die Unternehmensführung von Renault nicht vorher schon eingebunden gewesen sei.

Bei einem Zusammenschluss würde einer der größten Autokonzerne der Welt entstehen und die Marktführer Volkswagen (VW) <DE0007664039> und Toyota <JP3633400001> herausfordern. Die VW-Vorzugsaktien dämmten ihr anfangs im Zuge der Branchenfantasie verzeichnetes hohes Kursplus von zweieinhalb Prozent auf nur noch knapp Prozent ein. Toyota-Aktien gingen in Tokio mit plus 0,8 Prozent aus dem Handel.

Eine Verschmelzung von Renault und Fiat Chrysler wäre die Konsequenz des anhaltenden Drucks auf die Autohersteller, Kosten zu sparen und den Schadstoffausstoß zu reduzieren, sagte ein Händler. Eine Fusion würde anderen Autobauern quasi als Blaupause dienen, während sie für die Autozulieferer ein harter Schlag wäre. Die aktuellen Partner von Renault, Nissan und Mitsubishi, seien in die Fusionspläne derzeit nicht einbezogen, das könnte aber später noch passieren, ergänzte der Händler.

Die Verzahnung von Renault und Nissan sei schon recht weit fortgeschritten, ein Auseinandergehen wäre für beide Seiten sehr kostspielig, merkte Analyst Schwope an. Nissan-Aktien gewannen am Montag am japanischen Aktienmarkt knapp 1 Prozent.

Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan glaubt, dass Fiat Chrysler von einem Zusammenschluss mit Renault kurzfristig mehr profitieren würde, insbesondere dank der hervorragenden Strategie der Franzosen für die Elektromobilität./ajx/bek/fba/la/he