(Neu: Überschrift, Kurse, Einordnung sowie weitere Analystenaussagen)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Volkswagen (VW) und Porsche SE haben zu Wochenbeginn gegen den positiven Branchentrend unter dem überraschenden VW-Chefwechsel gelitten. Zuletzt büßten die Vorzugsaktien des Autobauers und seines Großaktionärs 1,5 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent ein, womit sie hintere Plätze im Dax belegten. Seit Jahresbeginn stehen Kursverluste von 25 und 18 Prozent zu Buche. Der europäische Branchenindex verlor im selben Zeitraum 20 Prozent und der deutsche Leitindex 16 Prozent.

Am Freitag nach Börsenschluss hatte VW mitgeteilt, dass Vorstandschef Herbert Diess Anfang September ausscheidet und von Oliver Blume abgelöst wird, dem Chef der Sportwagentochter Porsche AG. Der Aufsichtsrat der Wolfsburger beschloss zudem, dass Blume daneben seine bisherige Aufgabe bei Porsche fortführen und im operativen VW-Tagesgeschäft von VW-Finanzchef Arno Antlitz unterstützt werden soll.

Bei Analysten standen neben Blumes künftiger Führungsfunktion bei VW und Porsche der geplante Börsengang der Porsche AG und die weitere Unternehmensstrategie im Fokus.

Experte Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research monierte den Zeitpunkt für den Führungswechsel bei VW als falsch, da die Wolfsburger auf ein herausforderndes Jahr 2023 zusteuerten. Mit Blume als "Teilzeitchef" für beide Unternehmen mache VW eine schlechte Situation in der Unternehmensführung noch schlechter. Sowohl der Volkswagen-Konzern als auch Porsche bräuchten in den kommenden Monaten eine klare und präsente Führung, weshalb Blumes Doppelrolle den Investoren nicht gefallen dürfte. Denn dem Markt seien die sich überlappenden Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereiche bei VW, Porsche SE und Porsche AG ohnehin ein Dorn im Auge.

Kritisch äußerte sich auch UBS-Analyst Patrick Hummel. Die Anleger dürften genau darauf schauen, wie lange Blume diese Doppelfunktion ausfüllen könne, nachdem er erst vergangene Woche ein Ende des Beherrschungsvertrags von VW über die Porsche AG angekündigt habe, um der Tochter mehr Unabhängigkeit zu ermöglichen. Derweil sehen weder Hummel noch sein Kollege Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies den Zeitplan für den Porsche-Börsengang in Gefahr, der im Schlussquartal 2022 über die Bühne gehen solle.

Auch Houchois wertete den Zeitpunkt des VW-Führungswechsels als unglücklich. Überraschend seien aber weder Diess' Abschied noch die Berufung von Blume zum Nachfolger, da Diess im Konzern zunehmend isoliert gewesen sei, betonte er. Die Veränderungen böten zudem eine Chance, die Unternehmensstrategie zu überdenken und mit einem ebenso versierten wie gut im Konzern verankerten Automanager einen Neustart zu wagen. Unter Blume hoffe man bei VW offenbar zudem auf eine erfolgreichere Software-Strategie, so Houchois weiter. Es werde allerdings Monate dauern, bis neue Pläne bekannt würden./gl/ajx/jha/