(neu: Analystenstimme UBS, Reaktionen aus Paris, Fiat-Chrysler-Aktien machen Verluste wett.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das mutmaßliche Aus für die erhoffte Ehe von Fiat Chrysler <NL0010877643> und Renault <FR0000131906> ist vor allem den Renault-Anlegern am Donnerstag bitter aufgestoßen. Während die Franzosen herbe Kursverluste einstecken mussten, verhalfen versöhnliche Töne der Regierung in Paris zuletzt zu Gewinnen bei Fiat Chrysler.

Der italienisch-amerikanische Konzern hatte am Morgen sein Angebot für den französischen Hersteller überraschend zurückgezogen. Zuvor hatte der Renault-Verwaltungsrat seine Entscheidung über die Aufnahme förmlicher Fusionsgespräche mit FCA auf Antrag der französischen Regierung ohne weitere Angaben von Gründen verschoben. Paris sieht die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen offenbar auf der anderen Seite. Aus Paris verlautete, der italienisch-amerikanische Konzern habe massiven zeitlichen Druck ausgeübt. Frankreich teilte unterdessen aber mit, dass die Tür für eine Fusion mit den Italienern noch offen sei.

Den Renault-Aktien half dies aber nicht, in Paris ging es zuletzt um rund 7 Prozent auf 52,35 Euro abwärts. Damit bewegen sich die Papiere der Franzosen wieder nahe des tiefsten Niveaus seit Herbst 2014, nachdem die Hoffnung auf den Deal mit Fiat Chrysler sie zuletzt noch über die Marke von 58 Euro getrieben hatte.

Anders dagegen die Fiat-Chrysler-Papiere: Sie hatten zum Auftakt in Mailand fast vier Prozent nachgegeben, konnten die Verluste aber abschütteln. In der Spitze legten sie mehr als ein Prozent zu, zuletzt waren sie unverändert.

Analysten waren bereits davon ausgegangen, dass es den Aktien der Franzosen deutlicher an den Kragen gehen dürfte als jenen der Italiener - denn die Renault-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Fusionspläne stärker angezogen. Analyst David Lesne von der Schweizer UBS geht dennoch davon aus, dass das Rückfallpotenzial für Renault an der Börse begrenzt sein dürfte, denn der Markt habe offenbar keine nennenswerten Synergien eingepreist.

Auch Tom Narayan vom Analysehaus RBC glaubt, dass die Renault-Aktie nicht in dem Maße nachgeben dürfte, wie sie zuvor im Zuge der Meldung zur möglichen Fusion gestiegen sei. In den vergangenen Tagen sei das Wertpotenzial der Renault-Aktie deutlich geworden, schrieb er. Der Experte betonte die positive Dynamik einer Fusion der beiden Autohersteller und hält einen Zusammenschluss nach wie vor für nicht vollständig ausgeschlossen. Es sei aber offenbar schwierig, den französischen Staat für einen solchen Deal zu gewinnen.

Auch andere Marktbeobachter spekulierten über die Beweggründe für Fiat Chryslers Rückzug. Der Deal habe nach der Lösung aller Probleme für den Hersteller in Europa geklungen, schrieb Max Warburton von Bernstein Research, und seit Bekanntwerden der Fusionspläne vor knapp zwei Wochen habe es sowohl aus Turin als auch aus Paris zustimmende Äußerungen gegeben. Aber irgendetwas sei offenbar schief gegangen - sei es, dass die französische Regierung ihre Meinung geändert habe, oder sich der Renault-Partner Nissan <JP3672400003> plötzlich quer gestellt habe. Womöglich sei sogar beides der Grund./tav/mis/fba