FRANKFURT (dpa-AFX) - Die vom Versorger SSE abgesagte Vertriebsfusion in Großbritannien mit Innogy hat am Montag die Aktienkurse beider Unternehmen belastet. Auch die Anteilsscheine des Essener Energieunternehmens Eon wurden in Mitleidenschaft gezogen. Hintergrund ist, dass - im Rahmen der in diesem Jahr mit RWE beschlossenen Neuaufteilung von Innogy - Eon den Bereich Vertrieb von Innogy übernehmen wird.

Im allgemein etwas schwächeren Gesamtmarkt büßten die Innogy-Papiere im MDax gegen Mittag 1,02 Prozent auf 40,680 Euro ein. Eon verloren im Dax 1,55 Prozent auf 9,088 Euro. Im britischen FTSE 100 gaben zudem die Anteilsscheine von Scottish Southern Energy (SSE) um 1,93 Prozent nach.

"Kein Deal ist für SSE besser als ein schlechter", schrieb Jefferies-Analyst Ahmed Farman. Die zugleich so geschaffene "Klarheit" ist seines Erachtens ebenfalls positiv für den Aktienkurs des britischen Unternehmens. Dagegen seien die Auswirkungen für Innogy und insbesondere für Eon negativ. "Denn Eon muss Npower, die britische Vertriebssparte von Innogy, nun wohl ebenfalls übernehmen. Und es dürfte einige schmerzhafte Jahre dauern, diese Sparte zu restrukturieren und zu integrieren", schlussfolgert Farman.

Analyst Deepa Venkateswaran von Bernstein Research sieht das Fusions-Aus ebenfalls besonders negativ für Eon, hob zugleich aber auch negative Einflüsse auf SSE hervor. "Für SSE ist es klar, die wollen aus dem Privatkundengeschäft aussteigen und müssen nun einen Käufer für den Geschäftsbereich SSE Energy Services finden." Dabei sei die Bewertung des Bereichs ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor, und eine Börsennotierung nur dieses Segments sei zugleich höchst unwahrscheinlich.

Eon indes dürfte laut Venkateswaran bald versuchen, Npower zu verkaufen. Denn dass der Essener Konzern Npower in sein britisches Privatkundengeschäft integrieren werde, hält er für "sehr unwahrscheinlich". Zu Innogy schrieb der Bernstein-Analyst, dass der MDax-Konzern seine Sparte Npower nun im laufenden Jahr unter dem Punkt "fortgeführte Geschäfte" weiterzuführen habe. Daher seien die Jahresziele teilweise gesenkt worden, erklärte er. Auch eine geringere Dividendenhöhe als 2017 hatte Innogy angekündigt. Für 2019 rechnet das Unternehmen zudem nun mit einem negativen Einfluss auf das bereinigte operative Ergebnis.

Laut JPMorgan -Analyst Javier Garrido indes ist die gescheiterte Vertriebsfusion in erster Linie negativ für die Briten. "Die Rechtfertigung seitens SSE für diesen Deal war zu Beginn, Investitionskosten für neue Systeme vermeiden zu wollen", erinnerte er. Alternative Optionen dürften seines Erachtens deutlich komplizierter sein. Allerdings rechnet Garrido zugleich auch mit zunächst steigenden Marktschätzungen für SSE. Denn an diesem Morgen hatte SSE auch mitgeteilt, dass der Bereich SSE Energy Services in den Jahren 2019 und 2020 profitabel und Cashflow positiv sein werde./ck/nas/fba