FRANKFURT (dpa-AFX) - Der sich ausweitende Krieg in der Ukraine hat zum Wochenauftakt die Aktien aus dem Bankensektor erneut massiv belastet. Die Papiere der Deutschen Bank fielen am Mittag um sechs Prozent und gehörten damit zu den schwächsten Dax-Werten . Seit der Invasion Russlands in die Ukraine büßten die Papiere inzwischen rund ein Drittel ihres Wertes ein. Die Anteilsscheine der Commerzbank sackten im MDax am Montagmittag um fast acht Prozent ab. Seit Kriegsausbruch summiert sich das Minus bei der Commerzbank auf 36 Prozent. Am Montag hatte es für die beiden Aktien am Vormittag mit zwischenzeitlich prozentual zweistelligen Verlusten aber noch schlimmer ausgesehen.

Auch europaweit sah es für die Branche wieder einmal düster aus: Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Banks war im Branchentableau mit einem Minus von knapp fünf Prozent ganz unten zu finden. Unter den großen europäischen Bankentiteln verloren die Papiere der UBS und ING jeweils mehr als sechs Prozent, Intesa Sanpaolo fast fünf Prozent und Banco Santander 5,2 Prozent.

Zwölf Tage nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine verschlimmert sich die Lage Hunderttausender Menschen in den angegriffenen Städten. Die ukrainische Regierung mahnt eine sofortige Evakuierung aus den Städten an. Die Angriffe und Gefechte gingen in der Nacht zum Montag weiter. Berichte über den Beschuss eines Forschungsreaktors in Charkiw lösten neue Sorgen über eine radioaktive Verschmutzung aus. An den Finanzmärkten ging außerdem die Angst vor weiter steigenden Rohstoffkosten um - angetrieben von der Diskussion über einen möglichen Importstopp für russisches Öl.

Die Analysten der Berenberg Bank verwiesen darauf, dass die europäischen Bankenwerte seit Beginn des Konflikts in der Ukraine rund 15 Prozent schlechter abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. Die Aktien der Geldhäuser litten unter Befürchtungen eines schwächeren Wirtschaftswachstums und einem langsameren Anstieg der Leitzinsen als zuvor.

Die Experten des Analysehauses Jefferies sehen bei den südeuropäischen Banken mittlerweile das unmittelbare Kriegsrisiko und auch den vermuteten Wegfall höherer Leitzinsen bereits eingepreist. Die Stagflationsrisiken stiegen zwar, eine Negativspirale sei aber nicht zwangsläufig, da die fiskalische Unterstützung und die Sparpuffer noch vorhanden seien, betonten sie.

Analyst Ingo Frommen von der Landesbank Baden-Württemberg fürchtet für die Deutsche Bank deutliche Auswirkungen des Krieges. Die Erreichung der jüngst bestätigten Ziele für das Jahr 2022 dürften nun kaum mehr möglich sein, glaubt er. Zudem könne es passieren, dass die Deutsche Bank ihr geplantes Aktienrückkaufprogramm jetzt nicht mehr umsetzt. Allerdings geht er nicht davon aus, dass Umstrukturierungserfolge damit zurückgesetzt werden oder das Geldinstitut "in eine die Solvenz bedrohende Situation gerät".

Die zuletzt hohen Kursverluste der Deutsche­-Bank­-Titel sieht Frommen als übertrieben und das Papier inzwischen wieder als günstig bewertet an. Zwar rechnet er nun mit niedrigeren Erträgen und einer höheren Kreditrisikovorsorge, er stufte die Aktie aber von "Halten" auf "Kaufen" hoch./edh/tih/zb